Die Universität Würzburg warb im Juli letzten Jahres damit, dass alle BewerberInnen für das Wintersemester 09/10 mit einer Abiturnote von 1,5 oder besser, an einer Verlosung von einmalig 500 Euro Studiengebühren für jeden Gewinner teilnehmen können. Dieses Geld wurde jetzt insgesamt 50 mal ausgezahlt.
Sollte es als Ansporn dienen, ein besseres Abitur abzulegen? Wohl eher nicht. Schließlich standen die Abiturnoten der StudienanfängerInnen zu der Zeit schon fest, so dass diese gar keine Möglichkeit mehr hatten, sich um eine gute Note zu bemühen. Es kann also keineswegs darum gehen, die jungen Leute zu guten Leistungen zu motivieren.
Man könnte auch auf den Gedanken kommen, es handele sich um eine soziale Geste, da Leute von etwas sozial Ungerechtem, nämlich den Studiengebühren befreit werden. Aber nach den finanziellen Hintergründen der BewerberInnen wurde bei der Verlosung nicht gefragt. Damit scheidet der soziale Gedanke aus. Dies verwundert jedoch auch nicht, denn hiermit würde die Hochschulleitung zugeben, dass Studiengebühren selektierend wirken.
Es ist klar, das Ziel der Verlosung war, möglichst gute AbiturientInnen an die Universität Würzburg zu locken. Dies hat der Universitätspräsident selbst kundgetan. Zur Finanzierung der Aktion fand die Universität Sponsoren. Hierbei drängt sich die Frage auf, warum diese Sponsoren der Universität das Geld nicht direkt für wissenschaftliche Zwecke spendeten.
Und selbst wenn sie junge Menschen von den sozial ungerechten Studiengebühren befreien hätten wollen, sind 50 Personen zwar besser als niemand, der sozialen Gerechtigkeit ist mit dieser Aktion dennoch nicht Genüge getan. Im Übrigen lässt das Verhalten der Universität darauf schließen, dass sie die Erhebung von Studiengebühren für einen durchaus entscheidenden Faktor bei der Wahl des Studienortes hält, wohl insbesondere bei finanziell schlechter gestellten Studierenden. Es geht nicht etwa darum, dass man Studierende, die sich Studienbeiträge nicht leisten können, allgemein fördert, nein, nur die Besten unter ihnen erhalten die Förderung. Der Tenor dieser Denkweise lässt sich leicht erahnen: Wer Geld zahlt kann gerne hier Studieren, wer kein Geld hat nicht, außer er ist besonders begabt und damit besonders wertvoll für die Universität.
Auf den ersten Blick wäre es sinnvoller, wenn die Universität von der 10%-Klausel Gebrauch machen würde, um StudentInnen mit guten Leistungen zu befreien, da dann jede/r versuchen könnte in den Genuss der Befreiung zu kommen. Dies würde aber in keinster Weise etwas an der sozialen Selektivität von Studiengebühren ändern und zusätzlich einen Konkurrenzkampf um finanzielle Vorteile schüren, sowie den bereits bestehenden Leistungsdruck noch mehr verschärfen. Auch hätte man dann ja 10% weniger Studierendengelder zur Verfügung, bei dieser Aktion aber wurde das Geld gesponsert.
Wenn wir Studierende anlocken wollen, dann alle! Dazu sollten die gesetzlichen Möglichkeiten an der Universität Würzburg ausgeschöpft werden, zunächst in dem der Senat die 10%-Klausel auf alle Studierenden umlegt, also die Studiengebühren um 10% senkt und wenn das klappt, dann eine Absenkung der Studiengebühren auf 300 €.
Frank Alig (UHG)
Frank, seit wann sagen Noten etwas über Begabung aus?
Allein der Begriff Underachiever widerlegt, dass das zwangsläufig zusammengeht! Wer sich in die Fachliteratur zur (Hoch-)Begabung vertieft, merkt schnell, dass die gesamte derzeitige Bildungssituation sogar genau dieser Gruppe eher schadet, da sie die Tendenz hat, sehr tief und intesiv, aber auch individuell, zu arbeiten, was ob des Zeitdrucks und der vorgegebenen Strukturen so nicht mehr möglich ist.
Erhebt sich die Frage, welche Elite dann wirklich gemeint ist. Vom derzeitigen System profitieren ganz klar diejenigen, die schnell speichern, nicht etwa jene, die nachhaltig arbeiten. Will die Uni WÜ (und nicht nur die) dann bevorzugt Menschen, die widerstandslos alles in sich hineinfressen und zur gegebenen Zeit unbearbeitet wiedergeben?
Es erhebt sich die Frage, wie Leute sich in ihrer Persönlichkeit entfalten und gemäß ihrer Begabung gefördert werden sollen, wenn weder die Rahmenbedingungen noch inhaltlichen Konditionen frei gestaltet werden können. Dazu gehört es auch, Gelerntes in aller Ruhe verarbeiten zu dürfen – ohne den Druck, dass Zeit und Geld nicht reichen, ohne den Vorwurf, faul zu sein.
Vielleicht sollten wir wieder mehr dem Lernwillen der Studenten vertrauen? Mehr baden gehen als mit Vertrauen in Banker können wir ja nicht mehr.
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Die Uni inseriert heute ganzseitig in der Tagespresse Werbung, um Studienanfänger nach WÜ zu locken. Interessante Ergänzung zu diesem Thema.
Spenden können von der Steuer abgesetzt werden. Mir erschließt sich die Logik nicht, wenn öffentliche Aufgaben mit Spenden finanziert werden, die gleichzeitig öffentliche Mittel verringern.
Komisch, auf einmal interessiert sich die Politik wieder für Bildung. Tagesschau heute zur NRW-Wahl:
Auch das Thema Bildung war ein Schwerpunkt in ihrer über einstündigen Rede. “Wir dürfen kein Kind mehr verlieren”, betonte Kraft. Das Turboabitur sei in derzeitiger Form “blankes Chaos”, Kopfnoten müssten abgeschafft werden. “Wir sagen nein zu Gebühren von der Kita bis zu Uni. Wir sagen nein zu Lohndumping. Wir sagen nein zur Entsolidarisierung”, gab Kraft den Takt vor.
Ja Anke.War heut sogar im kleinsten Flecken Thüringens ganzseitig in der Zeitung.
Übrigens, die Homepage ist richtig klasse geworden.
@muh
Lange nichts gehört. Hoffe, dir geht’s gut!
Was kosten eigentlich so ganzseitige Anzeigen?
@P.O.O.
Vor der Wahl ist alles interessant, was Stimmen bringen könnte. Danach schaut’s anders aus. Deshalb sollten wir weiter unsere Stimme erheben, um Gehör zu finden. Flammende Reden… Bologna burns
@anke
Ich war eigentlich nie weg.-)
Da ich mal Geschäftsführerin war, weiß ich, dass 8×10cm regional 7oo Euro kosten.
Heute schon gekotzt? Auf die Plätze, fertig, los! Hier kommt die Elite:
http://www.youtube.com/watch?v=PzhMbBUjbRk
@anke:
Mir ist vollkommen klar, daß die Benotung nicht mit der Begabung eines Schülers übereinstimmen muß. Das musste ich in der Schule sogar selbst erleben.
Es geht hier eher um diejenigen Abiturienten, bei denen man auf den ersten Blick, also aufgrund der Noten eine Begabung vermutet. Um etwas über die tatsächliche Begabung des Abiturienten zu erfahren würde es nicht genügen, einfach seine Noten anzuschauen, in diesem Fall sogar nur den Notendurchschnitt, also eine einzige Zahl. Dieses Thema würde allerdings den Rahmen des Artikels sprengen. Es ging ja um die Verlosung von Studiengebühren an Abiturienten mit guten Noten und nicht um die Verlosung von Studiengebühren an besonders begabte Abiturienten. Es steht auch nicht in meinem Artikel, daß besonders gute Abiturienten an die Uni gelockt wurden, sondern daß es das Ziel war, besonders gute Abiturienten anzulocken. Inwiefern dieses Ziel erreicht wurde, also die angelockten Leute wirklich begabt sind, weiß ich nicht und schreibe ich auch nicht.
@Frank
Sieh es einfach als Ergänzung zu deinen Ausführungen, okay? Ich gehöre nämlich auch zu den Leuten, die diesbezüglich blöde Erfahrungen in der Schule gemacht haben. Deswegen lag es mir einfach am Herzen, es klarzumachen.
Übrigens habe ich in Statistik gelernt, dass Notendurchschnitte eine unerlaubte Transformation darstellen. Auf bestimmte Weise gewonnene Daten darf man nämlich nur in gewisser Weise bearbeiten, da existieren eindeutige (komplizierte) Regeln. Notendurchschnitt ist nicht erlaubt…