Am 11. und 12. März 2010 treffen sich in Wien MinisterInnen aus den 46 Staaten, die am Bologna-Prozess beteiligt sind, um den 10. Jahrestag der Bologna-Erklärung zu feiern. Doch was wird gefeiert?
Die verschulten und starren Studienpläne? Der Wegfall von freien Wahlfächern? Die vermehrte soziale Selektion? Die versprochene Mobilität, die nicht gewährleistet werden kann? Sind es die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen, die Einführung von Studiengebühren und die Zugangsbeschränkungen, die zum Feiern einladen? Oder ist es gar der vermehrte Demokratieabbau? Seit Monaten protestieren Studierende aus allen Ländern gegen die Umsetzung des Bachelor-Master-Systems und hinterfragen die europäische Hochschulpolitik kritisch. Ihre Forderungen werden durch die falschen Feierlichkeiten in Wien und Budapest mit blankem Hohn überzogen.
Die Bildungsstreikenden in Wien veranstalten zu diesem Jahrestag einen alternativen Gegengipfel mit möglichst breitem und starkem Widerhall in den Massenmedien, um dort ihre Inhalte und Forderungen wirksam zu platzieren. Ein internationales Großereignis von vier Tagen mit Demonstrationen und Blockadeaktionen, Workshops, Vorträgen, politisch-künstlerischen Aktionen und Performances, unterstützt von zahlreichen KünstlerInnen und Bands.
11.-14. März in Wien
Du möchtest mitfahren? Dann nutze folgende Gelegenheit:
Abfahrtstermin: Mittwoch, 10.03.2010 um 23:50 Uhr
Rückfahrtstermin: Sonntag, 14.03.2010 um 21.00 Uhr
Treffpunkt: Taxistand, rechts vom Hauptbahnhof Würzburg
Kosten: 15 Euro für die Hin- und Rückfahrt (wird vom ASTA Marburg unterstützt)
Anmeldung: Mail an: bildung@asta-marburg.de und kontakt@wuerzburg-brennt.de, wer in Würzburg einsteigen möchte, gibt Namen, E-Mail-Adresse, Handynummer und Würzburg als Einstiegsort an, Plätze solange der Vorrat reicht
Informationen zur rechtlichen Lage in Österreich:


Hir gibts was auf die Ohren,auch für Frau Shavan
:
http://unsereuni.at/wiki/images/2/23/BolognaBurns-Teaser.mp3
KEINE PARTY OHNE UNS! GIPFEL SPRENGEN!!!
Unter folgendem Link gibt es ein sehr interessantes Protokoll des letzten internationalen Chats. Es bietet einige Einblicke, was in anderen Ländern Europas, aber auch ausserhalb davon derzeit passiert. Es enthält auch einige sehr interessante links zu einzelnen Netzwerken und bietet einen Ausblick auf kommende Aktionen auf internationaler Ebene. So wie sich die Situation darstellt war 2009 tatsächlich nur die Aufwärmphase…
http://www.wuerzburg-brennt.de/blog/?page_id=2785
Was ist eigentlich mit den Franzosen? Von denen hab ich noch gar nichts gehört.
Neuigkeiten aus der Dürerstadt:
Ich war heute bei der Anhörung der Aufständischen vor dem Disziplinarausschuß des Nürnberger Dürer-Gymnasiums zu Besuch. Das Tribunal, ausschließlich besetzt mit LehrerInnen und Vertretern der Schulleitung, traute es sich jedoch nicht, zum äußersten Mittel zu greifen und Schüler aufgrund des Streiks von der Schule zu werfen. Wohl auch aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit. Bereits um 11:00 Uhr hatten sich rund 100 SchülerInnen vor dem Gymnasium zu einer Protestkundgebung versammelt. Auch ich habe heute Bekanntschaft mit Direktor Hauenstein gemacht. Typ Wolfgang Schäüble, grauer Mittfünfziger, klassischer Fall von “Präsi goes crazy”. Wir hatten eine nette Unterhaltung, nachdem ich mich zum Raum 111 durchgefragt und es mir gerade gemütlich gemacht hatte, um die Verhandlung zu verfolgen. Auf die Nachfrage des Direktors habe ich mich als “unabhängiger Beobachter des Bildungsstreiks” zu erkennen gegeben,was dieser jedoch nicht besonders lustig fand. Er bat mich danach, sowohl den Raum als auch das Schulgelände zu verlassen. Dieser Bitte bin ich natürlich nachgekommen, damit den Schülern nicht noch “Rufschädigung durch Informieren von AktivistInnen” vorgeworfen wird.
Das Ergebnis der nun leider ohne mich stattfindenden Verhandlung: ein strenger Direktoratsverweis, ein 30 Seiten fassender Aufsatz über “Demokratie und Bildung in der Geschichte der BRD” sowie einen 10-seitigen Aufsatz über “Meine Vorstellungen für ein besseres Schulsystem”. Steht zu hoffen, dass die Verantwortlichen aus den Aufzeichnungen ihrer “Schützlinge” etwas lernen. Abends war ich noch bei den Nürnberger FreundInnen im Plenum zu Gast. Es wurden die Ergebnisse des letzten BBP besprochen sowie die Fahrt nach Wien. Die Leute fahren auch mit den Marburger Bussen, weshalb wir uns sicherlich schon unterwegs treffen werden. Ich soll auch solidarische Grüße nach Wü übermitteln.
Pah, geschenkt! Bei solchen Themen muss man sich ja beherrschen, die 30 Seiten nicht deutlich zu überschreiten.. da kriegt man ja fast Lust, die Aufsätze selber zu schreiben.
@P.O.O.
Mach doch! Ich bin sicher, dass die Schüler dir dafür ewig dankbar sind!
@Falk
(Ich find’s aber gut!)
– dann auf Gewaltmittel zurückgreifen, um Autorität durchzusetzen. Strafe muss sein…
Du bist echt der Höchste! Fährt nach Nürnberg und textet den Direx zu, ich fasse es nicht.
Deine Beschreibung von dem Typen passt zu dem, was die Nürnberger Nachrichten so schreiben. Der Mann bestätigt meine Theorie, dass Leute, die sich ihrer Kompetenz nicht sicher sind – weshalb auch immer
Was haben die Schüler jetzt gelernt? Wer sich für seine Rechte und für unsere Demokratie einsetzt, kriegt heftig aufs Maul. “Die Schulen haben den in der Verfassung verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verwirklichen. [..] Oberste Bildungsziele sind [...] Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit [...]. Die Schülerinnen und Schüler sind im Geist der Demokratie [...] zu erziehen.” Art. 1 BayEUG
Braucht es noch weitere Worte? Dabei schwören Lehrer bei der Vereidigung, dass sie die Gesetze achten! Rechtsstaat? Oder wie?
@anke: Ist schon in Arbeit!
@P.O.O.
Wäre auch gerne mit falls es nicht schon vorbei sein sollte…
Und dann setzen wir W M C ein…..
booOOOOOOM
An alle “Wiener”. Ich bin in Gedanken bei Euch. Paßt auf Euch auf.
Dann beklag dich aber nicht, wenn du ständig Hunger hast, muh!
Aber ich schließe mich den guten Wünschen an! Viel Erfolg! Viel Spaß!
http://wien.orf.at/stories/428145/
Nun, auf jeden Fall musste man sie mal wahrnehmen! Die Diskrepanz zwischen 12.000 und 3.000 Demonstranten ist enorm! Im Grunde aber egal, es waren irre viele! Und die Politiker konnten nicht einfach glatt zum Alltag übergehen, weil die Zufahrten blockiert waren.
Interessant finde ich in den Kommentaren dazu den Beitrag von jemandem aus der mittelständischen Wirtschaft, der sich explizit auf die Seite des Protests stellt! Die mittelständische Wirtschaft sucht kreative und innovative Köpfe, die selber und auch quer resp. vernetzt denken können.Das glaube ich sofort, denn anders kann sie nicht überleben!
Bologna: Bildungsminister räumen Fehler ein
zurück
Die Bildungsminister und -staatssekretäre haben gestern zum Abschluss der Bologna-Konferenz in Wien Fehler bei der Umsetzung der Reformpläne eingeräumt und Besserung gelobt. Vor allem versprachen die Teilnehmer aus 47 europäischen Ländern, kritischen Stimmen künftig mehr Gehör zu schenken.
Gegen die zweitägige Konferenz, die am Vortag zunächst im Budapest stattfand, waren in Wien Studenten auf die Straße gegangen. Laut Polizei waren es 3.200 Demonstranten, laut Organisatoren mehr als 12.000, die gegen die Bologna-Reform protestierten. In ganz Europa gab es Studentenproteste gegen die Vereinheitlichung der Studiensysteme.
“Wissenschaft bleibt auf der Strecke”
Unter anderem wehren sie sich dagegen, dass der Leistungsdruck ständig wachse und das Studium nur noch dafür da sei, Nachwuchs für die Wirtschaft heranzuzüchten. Die Wissenschaft bleibe dabei auf der Strecke.
Die beteiligten Ländern wollen sich nun auch stärker dafür einsetzen, dass künftig mehr Hochschüler im Rahmen ihres Studiums ins Ausland gehen können. Dafür seien einheitliche Systeme und Abschlüsse unabdingbar, sagte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP).
Karl: Zehn Maßnahmen für Verbesserung
Unter dem Titel “Bologna Reloaded” stellte Karl unterdessen zehn Maßnahmen vor, mit denen die Umsetzung der Reformen an Österreichs Unis verbessert werden soll. Die Ministerin will eine “Taskforce” u. a. aus Vertretern von Studenten, Unis und Fachhochschulen einsetzen, die Empfehlungen zur Verbesserung der Studienpläne erarbeiten soll.
Quelle;orf.at
http://www.youtube.com/watch?v=vHiQCTGfLr0
Sehr avantgardistische Flme
Bei uns stand weder gestern noch heute was von den Protesten in der Zeitung. Find ich schon die Härte! Als ob es uninteressant wäre! Offensichtlich betrifft es mehr, wenn im Tontaubenzüchterverein eine Rede über die Qualität von Maschendraht gehalten wird, als wenn die Bildung heimtückisch ermordet wird. Ich bin ja schon leis’. Wichtiges von Umwichtigem unterscheiden, tja, das muss wohl jeder für sich.
ich kann Euch beruhigen, es waren schon ein bisschen mehr als 3000. Es waren vielleicht keine 15.000 aber 3200 (man beachte die äusserst präzise Schätzungsfähigkeit der Wiener Polizei) ist dann doch etwas arg frech. Obs 10.000 waren kann niemand sagen, allerdings kann es gut sein wenn man sich mal das Verkehrschaos in der Innenstadt angeschaut hat. Der Gipfel wurde um 1 Stunde verschoben, ein paar MinisterInnen kamen erst nach einer Weile zur Hofburg durch, die, die von Budapest mit dem Zug kamen mussten in den Bus umsteigen, weil die Gleise auch blockiert wurden. Einer ist entnervt nach Hause gefahren und erst am Freitag gekommen. Die Polizei hat sich als vollkommen chaotischer Sauhaufen geoutet (Sturm aufs Parlament – was war da los Herr Kommandant?) und dann wurde zwei Tage lang inhaltlich gearbeitet. (Beatrix Karl: “Eine inhaltliche Auseinandersetzung wäre besser gewesen als bloßer Protest” – Ich hab sie in keinem Workshop erblicken können…) Dafür, dass das ganze neben dem Studium vollkommen ehrenamtlich organisiert wurde war das ganze schon ziemlich der Hammer und hat genau das angestrebte Bild kreiert: Es gibt nichts zu feiern! Das ist auch so gut wie überall so rübergekommen. Auch in der Hofburg. Es ist natürlich sehr kritisch zu betrachten, wenn die Herrschaften zusichern, sie “wollen den Studenten besser zuhören” aber was kann man von so einem Gipfel erwarten? Dass sie alle zurücktreten? Gratulation ans Wiener Orga-Team!
Das wär ja mal der Gipfel der Anständigkeit