Plenumstermin in der vorlesungsfreien Zeit

Wir werden auch in der vorlesungsfreien Zeit tagen und wollen aktuell per doodle den optimalen Wochentag dafür finden.

Jeder, der am Plenum in der vorlesungsfreien Zeit Interesse hat kann sich dort eintragen, es geht nur um den Wochentag.

Die doodle-Umfrage wird am Donnerstag, den 11.02.10 geschlossen.

36 Responses to “Plenumstermin in der vorlesungsfreien Zeit”

  1. Hummel says:

    Hier eine weitere Kritik der Studentenproteste bzw. deren Inhalte und das schon wieder von Leuten, die nur schlaue Bücher lesen und nichts kontruktives machen:

    Studenten und andere….

    Nachdem es lange ruhig gewesen ist und sich ausschließlich das Design geändert hat, wollen wir langsam zurück zu einer regelmäßigen Aktualisierung kommen.
    Das wird wohl erst im Februar der Fall sein, allerdings dann im wöchentlichen Turnus und als Gruppenveröffentlichungen, statt als publizistischer Soloflug. Bis dahin ein Vortrag, den ich eigentlich beabsichtigte im Rahmen des Bildungsstreiks zu halten, bevor ich diese ganze konformistische Revolte für zu uninteressant befand, um sie überhaupt zu kommentieren. Aus aktuellem Anlass hier nun doch noch nachträglich – wobei die Bildungsstreikenden sich ja nach wie vor als Aktiv betrachten – zumindest das Manuskript des Vortrages.
    Wem das zu lang oder irrelevant ist, dem sei als Alternative „Fick die Uni“ von der Antilopengang ans Herz gelegt. Das lässt sich hier anhören.

    Opfer.

    „Studenten, gestern waren wir mit euch auf der Straße, aber wir sagen es euch gleich vorneweg: Eure Bildungsreformen sind uns scheißegal.

    So klar und deutlich die Absage der Lascars du LEP Electronique, die 1986 an die Bewegungsverwalter und Politikmacher der studentischen Bewegung in Frankreich erging. Zu verstehen ist sie als Absage wirklich kritischer Geister an das Spiegelspiel der beiden scheinbaren Antipoden, die sich auch im Bildungsstreik 2009 wieder ihre Scharmützel liefern. Auf der einen Seite erscheinen die Technokraten, hemmungslose Pragmatiker vom Schlage eines Dieter Lenzen, denen es um die wirtschaftliche Bewährung ihrer jeweiligen Institutionen geht, auf der anderen das Bildungsbürgertum, in seiner Erscheiungsform als studentische Pseudobohème, das vor Sorge um den Werteverfall der Gesellschaft sich vor Gram windet. Hinter dem scheinbaren Gegensatz, der sich äussert als Widerspruch zwischen wirtschaftlicher Verwertbarkeit und Kultur, oder aber Demokratisierung der Hochschulen versus Rationalisierung der Entscheidungsstrukturen, verschleiert sich jedoch das stillschweigende Einverständnis der beiden Fronten.
    Während die Technokraten nämlich die Überzeugung vertreten, eine funktionale Einrichtung der Gesellschaft erfordere es, ihre Rationalisierungen durchzuführen, erheben ihre Gegenspieler es zur Parole, dass ohne moralische Einrichtung keine Funktionalität möglich sei. In ganz tragischen Fällen – die Forderungen der FU Gruppe gehören dazu – verfällt die Argumentation sogar soweit, dass eine höhere Effektivität bei der Auswahl der Hochschulen gefordert wird. So fordert man die Abschaffung des NCs unter der Prämisse, dass er nicht dazu tauge, die “wirkliche Eignung” eines Bewerbers oder einer Bewerberin festzustellen und stellt sich alternative Auswahlmechanismen vor.
    Die Gemeinsamkeit scheint aber nur für diejenigen dort zu enden, die sich immer noch einer der grundlegendsten Einsichten der Kritik politischer Ökonomie verweigern, nämlich derjenigen, dass Staat und Kapital in einer notwendigen Wechselbeziehung sich zueinander verhalten. Während letzteres den ersteren als seinen Rechtsgaranten benötigt, als Richter über die Einhaltung der Verträge und denjenigen, der Vertragsbrüche ahndet, braucht ersterer das Letztere, um seine Infrastruktur am Leben zu erhalten – wozu nicht zuletzt jenes Bildungssystem zählt, dessen Verfall die Studierenden so wortreich beklagen.
    Betrachtet man sich nun, wie die unterschiedlichen Artikulationsformen der politischen Interventionen sich faktisch gestalten, wird der Zusammenhang etwas offenkundiger. Das Lamento über die Neoliberalisierung des Studiums, meint nicht mehr und nicht weniger als die Dominanz der staatsunabhängigen Technokratie, die es schafft, die Inhalte auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden, die im wesentlichen die des Arbeitsmarktes sind. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Zusammenhang von allen begriffen wurde. Kaum ein Schreiben der Bildungsstreikaktivisten und Aktivistinnen, in denen nicht auf sogenannte “gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge” oder ähnliches verwiesen würde, in denen nicht über “Verwertbarkeit des Studiums” gejammert würde oder die mangelnde Finanzierung der Geisteswissenschaften gegenüber den wirtschaftlich produktiveren Studiengänge Thema wäre.
    Die andere Seite dieses Zusammenhangs jedoch bleibt verschlüsselt, solange man sich nicht Rechnung darüber ablegt, was Bildung überhaupt bedeutet.

    Eine solche Begriffsbestimmung allerdings strauchelt sehr schnell, wenn die Beziehung zwischen Form und Inhalt als vernachlässigbares Element schlicht übergangen wird. Gemeint ist damit nicht nur, dass die Forderung nach Bildung – kritischer sogar womöglich – insofern sie an Institutionen vorgebracht wird, schon am Unwillen derer Scheitern wird, denen kritische Bildung in die eigene Interessenslage gar zu sehr hineinspielt, sondern auch – und vor allem – die Unmöglichkeit von Bildung überhaupt.

    Die Schwierigkeit der Position, die die Studierenden und Bildungsstreikenden für sich einnehmen, wird 1959 bereits von Theodor W. Adorno in der Theorie der Halbbildung formuliert: “Der Traum der Bildung, Freiheit vom Diktat der Mittel, der sturen und kargen Nützlichkeit, wird verfälscht zur Apologie der Welt, die nach jenem Diktat eingerichtet ist. Im Bildungsideal, das die Kultur absolut setzt, schlägt die Fragwürdigkeit von Kultur durch.”

    Im Wahn befangen, die Bildung selbst sei es, die nur noch zu vermitteln sei – und das gilt ebenso für jene, die sich kommunistisch schimpfen, und darunter verstehen, einen Kapitallektürekurs nach dem anderen anzubieten – wird die Notwendigkeit einer menschlichen Einrichtung der Welt verschlüsselt. Die Struktur der Gesellschaft selbst, deren Primat die Produktivität ist, bedingt bereits die Ausprägung ihrer bildungspolitischen Einrichtungen und Vorhaben. Diejenigen, die sich nun als Verteidiger der Kultur wahrnehmen, die gegen die Gesellschaft zu verteidigen ist – und also mithin Kultur nicht mehr als einen Ausdruck von Gesellschaft verstehen – greifen nicht etwa das Primat der Nützlichkeit vor der Menschlichkeit an, vielmehr versuchen sie mehr oder minder verzweifelt eine veraltete Ware, nämlich die Bildung klassisch-humanistischen Stils im besten Falle, noch an eine Gesellschaft zu verramschen, die sich längst vergegenwärtigt hat, dass dieses Produkt zum Ladenhüter geworden ist. In der Folge entstehen die “kreativen Protestformen”, mit denen sich der Bildungsstreik anreichert… Flashmobs, lustige Theatervorführungen und artverwandte Werbeveranstaltungen, die mangels finanzieller Ausstattung als eher magerer Ersatz für Radio und TV Werbungen und Kreativagenturen stehen.
    Die fehlende gesellschaftliche Relevanz von Bildung selbst, verschleiert sich durch die gefühlten medialen Erfolge, die dadurch garantiert werden, dass Studenten, Journalisten und Politiker Fleisch von einem Fleische sind, dass sich gegenseitig seine Unentbehrlichkeit unentwegt bestätigt. Doch selbst diese ist bloßer Schein, wie die Bildungsmaßnahmen – so großzügig sie auch ausfallen mögen – und ihre Erfolge beweisen. Denn, salopp gesagt, ist die viel monierte Krise des Bildungssystems weder neu, noch von einem anderen Standpunkt als einem durch und durch Staatstreuen erwähnenswert. Bereits die Genese des bürgerlichen Bildungsfetisch stand im schroffen Gegensatz zu ihrer materiellen Realität, die die verarmten Massen kaum mit einem humboldtschen Bildungsideal konfrontieren konnte, solange jene kaum genug Zeit zum Schlafen abseits ihrer Werktätigkeit fanden.
    Die Ideale der Bürger, die sich nur im Zustand ihrer Muße den Dingen zueignen konnten, die durch ihre Nutzlosigkeit bestachen und sich selbst daran zur geistigen Größe formten, waren auch nur für jene zu bewältigen. Dem Gros der Menschen fehlte es sowohl an Zeit, als auch an Möglichkeit, ein Konzept wie den Humanismus zu durchschauen und sich zuzueignen. Die mangelnde Möglichkeit aber beschränkt sich auch hier nicht – und das ist der vielleicht maßgeblichste Grund für den bezeichnenden Misserfolg sämtlicher pädagogischen Reformen – auf einen reinen Mangel an Bildungsangeboten. Vielmehr sprach schon die Despotie der Fabrik der Demokratie des Marktes so ungeheuren Hohn, dass der schimmernde Tand, den die Bürger als Almosen an sie abfallen ließen und sich in der Folge ihrer großen Menschlichkeit freuten nur allzu klar als solcher erkennen ließ.

    Doch die Bürger nahmen ihren Humanismus, zumindest in Teilen, ernst. Unfähig, sich über die Bedingungen ihrer eigenen Existenz aufzuklären – das heißt auch über die Bedingungen ihrer Bildung – verharrten sie in dem Glauben, den rohen, ungehobelten Sitten der Proleten durch eine Bildungsoffensive beizukommen und so die Gesellschaft, deren antagonistische Spaltung sich in den revolutionären Bedürfnissen äußerte, mit sich selbst zu versöhnen.

    Selbst da jedoch, wo das Fressen schon längst üppig genug da wäre, um nun auch ein wenig Platz für die Moral zu lassen, bleibt das, was die bildungsbürgerliche Integration bezwecken will auf der Strecke. Was dem Typus des Bildungsbürgers als sein anthropologisches Apriori vorausgeht, also seine menschliche Voraussetzung ist und seine Gestalt historisch erst prägte, nämlich die Autonomie der Lebensgestaltung, bleibt den Massen durch die gesellschaftliche Konstitution verwehrt. Zwar beliefert man sie, nicht zuletzt durch die Inventiven zahlloser besorgter studentischer Initiativen mit immer neuen Mengen an Billignachdrucken der philosophischen Klassiker, zwar müht sich die Politik die kulturellen Programme so erschwinglich wie möglich zu gestalten, jedoch sind alle diese Inhalte, insofern sie auf eine psychologische Form treffen, der die Autonomie des Denkens und Handelns aus eigener Erfahrung unbestimmt bleibt bloße Politur eines nach wie vor unaufgeklärten Bewusstseins.
    Das Resultat ist, dass nicht etwa verstanden würde, sondern die Bibel gegen die Zeitung eingetauscht wird, der Pfaffe gegen den Soziologen und der gesalbte Monarch gegen den “vom Volk gewählten Herrscher”. Jene aber, die sich als Lichtbringer des aufklärerischen Feuers gerieren, vermitteln nicht etwa die Grundlagen des Wissens selbst, also die kritische Reflexion der Welt, die sie selbst erst an dieser Welt lernten, sondern nur eine kaum verwertbare Faktenfülle, die schon diejenigen, die sie ausgeben in den meisten Fällen selbst kaum verstehen, geschweige denn zu deuten wissen in Hinblick auf ihre Implikationen für Gesellschaftlichkeit.
    Diese Halbbildung, die über alles Bescheid weiss, aber nichts versteht, müht sich in ihrer Selbstüberschätzung stets, die ihr jeweilig liebsten Werte in einer derart schmackhaften Form zu präsentieren, dass sie für eine möglichst große Anzahl Menschen konsumierbar sind. Durch ihre Zurechtstutzung auf das “unmittelbar verständliche”, das heißt ohne weitere eigene Geistesanstrengung seinen Zwecken zuführbare, verliert das solcherart vermittelte aber bereits wesentliche Kerne seines Gehaltes.
    Wo nur die Resultate zugänglich werden, der Weg aber unverständlich bleibt, verfestigen sich die Gehalte von Bildung als Selbstzweck und damit Gegenteil jener Bildung, die auf die Formung des Menschen zum selber denkenden Menschen abzielt. Sie gerinnt so zu einem “Soft skill”, dem unterhaltsamen Schwank an Cocktailtischen und allgemeingebildetem Auftrumpfen in Quizshows, während sie keine lebensweltliche Entsprechung mehr findet. Max Frisch bemerkt nicht umsonst, dass einige der brutalsten, widerwärtigsten Nationalsozialisten zugleich durchaus gebildete Menschen waren, Bildung also inhaltlich auch durchaus dort auftreten kann, wo die gesamte Form der Gesellschaft jeglichem Bildungsideal Hohn spricht.
    Dort aber, wo die Bildung sich bemüht jenseits der Bescheidwisserei als moralische Handlungsanweisung wirksam zu werden, gerinnt sie zum aggressiven Affront gegen jene, die sich nicht ihrem Primat beugen wollen oder können. Hierunter fällt der studentische Dünkel gegenüber den Massen, die vor ihren Fernsehern noch schlechtere Kulturprodukte konsumieren, als es die Studenten selbst zu tun pflegen und die sie nun aufklären wollen, aber auch die Rancune der Technokraten gegenüber denen, die stets einen Schritt hinter der Zeit am Bildungsideal von gestern festhalten, bis schließlich die Effizienz doch über die Moral siegt.
    Beide Arten der Bildung – die rein private wie die öffentlich wirksam werdende – dürfen sich nicht darüber bewusst werden, dass sie selbst befangen bleiben im Diktat des schlechten Daseins. Als bloß positivistische oder bloß normative Zumutung, die den Geist entweder in das Hineinstopfen soll, was ist, ihn also passend zurecht stutzt oder aber ihn solange staucht, bis er einem Wert entspricht, den der Bildungsbürger als “fehlenden Wert” erkannt hat, tun sie beide der Autonomie des Denkens, die überhaupt erst Bildung ermöglicht, äußerste Gewalt an.
    Diese Autonomie jedoch zurückzuerlangen, ist keine Frage der Bildung.
    Im Gegenteil versperrt grade sie, die sie als reine Sammlung von Bildungsinhalten ohne ihre zugehörige Form des autonomen Subjektes Stückwerk werden muss, den Zugang in eine Einsicht in die Möglichkeit der Freiheit. Ausgetauscht wird sie durch den Glauben, schon irgendwie zu wissen was läuft in der Welt, und das Führungspersonal in Folge dieser Erkenntnis ausstauschen zu können – die Kampagne gegen Lenzen legt von dieser Regression des selbst angeblich kritischen Bewusstseins schmerzlich Zeugnis ab. An diesem Beispiel vielleicht etwas ausufernder erläutert, vermählt sich hier das faktisch durch und durch richtige Wissen, dass es die Kampagnen Lenzens waren, die der Freien Universität einen “exzellenten” Vorreiterstatus in Punkto Effektivität einbrachten, mit der falschen Überzeugung, eine andere Universität sei möglich. Schließlich ist es Aufgabe der Universität selbst, nicht erst ihr ablösbar hinzugefügtes Moment, eine privilegierte Elite heranzuziehen, deren “erleuchteter” Status sie von dem Mob unterscheidet. Die Studenten, die sich selbst in dieser Rolle gefallen, fordern nun freie und kritische Bildung ausgerechnet von jenen Institutionen, die ihrer Struktur nach – der der Zertifikatsausgabe nämlich – gerade dazu gedacht sind, die Bildung zu einem abrufbaren Bestandteil und Garanten gesellschaftlicher Tauglichkeit zu machen.
    Die Avantgardeposition, die hier eingenommen wird, äußert sich innerhalb der gegenwärtigen Bewegung in zwei sich ergänzenden Gegenpolen. Während die einen sich weigern gesamtgesellschaftliche Implikationen in ihre Berechnung hineinzunehmen und diese Ignoranz gegenüber der eigenen Ideologischen Bestimmtheit als “unpolitisch” verstehen, gehen die anderen gleich dazu über, das Problem ihrer eigenen existentiellen Bedrohung zu einem allgemeinen zu erheben und absurde Parolen wie “Vom Bildungsstreik zum Generalstreik” auszugeben. Ausgeklammert bleibt hierbei der Standpunkt, dass es sich beim Verfall der Bildung tatsächlich um ein partikulares Problem handelt, das aber nur als Ausdruck einer allgemeinen Entwicklung verstanden werden kann.
    Es ist gerade die Vernarrtheit in die eigene Bildung, die diese Erkenntnis so rigide versperrt. Dadurch, dass sich gerade diejenigen, die noch am ehesten zumindest radikale Lippenbekenntnisse zustande bringen, auf den Gesamtzustand kaprizieren, offenbaren sie ihre eigene Vernarrtheit in die Undurchdringlichkeit kapitalistischer Verwertung. Der Gedanke, dass mündige Subjekte – also solche, die über ihr Leben selbst bestimmen – überhaupt nicht möglich sind, ist ihnen versperrt, da sie sich selbst als durchaus mündig fantasieren. Als zukünftige Produzenten der bildungstechnischen Produktion sind sie schließlich schon jetzt darauf versessen, dass ihre Ware sich einmal als wertvoll erweisen wird und sie nicht gezwungen sein werden, auf jenes Wohlwollen anderer zu vertrauen, das in weniger selbstverliebten Kreisen Solidarität heißt.
    Sie ergeben sich also in die “fünf studentischen Kompensationen”, wie sie die situationistische Internationale, eine der letzten wirklich kommunistischen Gruppen mit etwas größerer Bedeutung 1966 formulierte und die dazu führen, dass der Bildungsstreik zwar vielleicht tatsächlich seine Ziele erreicht – nämlich Bildungspolitische Ziele, die sogar noch von vielen liberalen Professoren übertrumpft werden – aber mit Sicherheit nur eine gesellschaftliche Station auf dem Weg zum Verschwinden mündiger Menschen überhaupt sein wird. Ich zitiere aus dem Positionspapier der Situationisten, man bedenke, wir schreiben dort noch 1966… es geht also mitnichten um den Bolognaprozess und seine schädlichen Auswirkungen.
    “Die berühmte “Universitätskrise”, Teil einer viel allgemeineren und andauernden Krise des späten Kapitalismus, bleibt das Gesprächsthema Nummer 1 tauber Fachidioten. In ihr kommen die Schwierigkeiten einer verspäteten Anpassung dieses besonderen Bereichs der Produktion an die Veränderung des gesamten Produktionsapparates zum Ausdruck. Die Universität konnte sich als autonome Macht verstehen… “ darauf will übrigens die Forderung nach freier Bildung hinaus, das nur am Rande… “ da ihr der Kapitalismus in seiner Phase des Freihandels und des staatlichen Liberalismus eine marginale Freiheit gewährte. Sie hing aber in Wirklichkeit direkt von den Bedürfnissen dieser Gesellschaft ab, nämlich einer privilegierten, studierenden Minderheit eine angemessene Allgemeinbildung zu vermitteln, bevor sie wieder in den Schoß der herrschenden Klasse zurückkehrte, die sie kaum verlassen hatte. Daraus folgt die Lächerlichkeit jener Professoren, die sich mit Bitterkeit an die gute, alte Zeit erinnern, da sie als Hofhunde über ihre künftigen Herren wachten, während sie heute als Schäferhunde die White-Collar-Hemden schubweise in die Büros dirigieren. Sie sin des, die ihre Altertümlichkeit der Technokratisierung der Universität entgegensetzen und unbeirrt fortfahren, mit den übriggebliebenen Brocken ihrer sogenannten Allgemeinbildung künftige Spezialisten zu füttern, die damit nichts anfangen können.” Wer da Schwierigkeiten mit der Übertragung hat, die zeitgenössische Variante dieser Passage findet sich im Lamentieren der Bildungsstreikenden über die Vermarktung von Bildung, wie am krassesten deutlich in der Parole: “Bildung ist keine Ware”. Aber weiter mit den Kompensationen:
    “Im ideologischen Bereich kommt der Student in allem zu spät.
    Weil für ihn noch einige Krümel vom Prestige der Universitäten abfallen, fühlen sie sich privilegiert damit Studenten zu sein. Zu spät. Sein mechanisierter Unterricht ist ebenso heruntergekommen wie sein eigenes intellektuelles Niveau im Augenblick des Studienantritts… Sie ignorieren, dass die Universität die Ignoranz kultiviert, dass die Hochschule in professorale Serienproduktion absinkt, dass alle diese Fachidioten sich vor jeder Gymnasialklasse blamieren würden. Denn die Studenten hören weiter zu, mit Respekt, bereit, jeglichen kritischen Geist beiseite zu legen, um weiter in der mythischen Illusion aufzugehen Student zu sein.(Erste Kompensation.)
    Immer mit sich zufrieden, kultivieren sie hernach noch ihre wirtschaftliche Armut zu einem “originellen Lebensstil” und kultivieren die Armut als Pseudobohème. Die Bereitschaft der Studenten, für jeden Dreck zu kämpfen, zeigt deutlich ihre absolute Ohnmacht, mit der sie die Verachtung noch des dümmsten Spießers verdienen. Von sich aus trennen sie “Arbeit” und “Freizeit” und zeigen eine scheinheilige Verachtung für ihre Kommilitonen, die ihren “Scheinen nachjagen”. Sie erkennen alle Trennungen an, und beklagen sich dann in ihren verscheidenen religiösen, politischen und gewerkschaftlichen Zirken über Mangel an Kontakt. (Zweite Kompensation.)
    Aber das wirkliche Elend des studentischen Alltags findet sich im Opium der kulturellen Ware. In der spektakulären Kultur findet der Student wie schlafwandlerisch seinen Platz als gelehriger Schüler. Während die Kunst schon tot ist, bleibt er nahezu alleine den Filmhäusern und Theatern true und stürzt sich gierig auf den Kadaver der Kunst, wo er tiefgekühlt und zellophanumhüllt in Supermärkten an Zahlungskräftige Hausfrauen verschachert wird. (Dritte Kompensation.)
    Allein: Die Studenten können nicht mehr lesen. Sie konsumieren nur noch mit den Augen. Ihre bevorzugte Lektüre bleiben Fachzeitschriften. Sie genießen immer noch den Spiegel oder glauben die Zeit sei eine wahrhaft “objective” Zeitung, die das aktuelle spiegelt. Mit ihrer Hilfe glaubt er, an der modernen Welt teilzuhaben und sich mit der Politik vertraut zu machen. Denn er hält es für eine Tugend, politisiert zu werden. Nach Äußerung einiger emanzipierter Ansichten hat er sein unabhängiges Mütchen in einer Parodie von Widerstand gekühlt und kehrt befriedigt und fügsam in eine Ordnung zurück, die er niemals in Frage gestellt hat, weil er immer nur IN IHR, aber nie über sie diskutiert hat. Wenn er glaubt, sich darüber hinwegzusetzen, dann nur um freudig den pontifikalen Leitsatz nachzubeten: “Friede für Vietnam.” (Vierte Kompensation).
    Schließlich glauben sie noch, eine geschlossene Weltanschauung entwickeln zu müssen um ihrem Bedarf an a-sexueller und a-sozialer Unruhe einen Sinn zu geben. Man wagt es kaum zu betonen, dass neben alten Landweibern junge Studenten am ehesten zur Mystik neigen. (Fünfte Kompensation.) “

    In dieser Hybris, die sich stets ausserhalb des gegebenen setzt, nur um sich dann “ganz besonders hinein” zu fantasieren, bewegen sich sämtliche studentischen Proteste, die Versuche die Menschen kritisch zu bilden und dergleichen samt und sonders. Denn da, wo Bildung reichlich vorhanden ist, und man muss wohl kaum erwähnen, dass die Kant Gesamtausgabe selbst für einen Hartz-IVler leicht erschwinglich ist – und trotzdem nicht genutzt wird, liegt die Frage nicht mehr bei Bildung selbst.
    Darauf hebt aber der Protest auch nicht ab. Denn würde er diese Art der Bildung, die sich autonom und jenseits der staatlich akkreditierten Strukturen erhebt, ebenso würdigen wie das, was er von ihr an kritischer Bildung erwartet, käme er nie und nimmer auf die Idee, der Mangel an Bildung läge an einer Unterfinanzierung der Universitäten. Unwillig aber, ihre Rolle als gesellschaftliche Lichtbringer zu verlassen, verharren die Studenten auf einer Position, in der sie Bildung nicht etwa einfordern, weil sie nach ihr verlangen, weil Bildung überhaupt fehlt und diejenige Bildung, die es noch gibt, schale Faktenerhebung ist, sondern weil sie ihre jämmerliche Situation auch noch als eine beneidenswerte und gesellschaftlich privilegierte fantasieren.
    Hierin, und damit komme ich schließlich zum Ausgangspunkt zurück, erweisen sie sich als das notwendige Gegenbild der Technokraten. So wie das Kapital den Staat braucht, brauchen die Technokraten die Bildungsbürger, oder das, was als “kritische Studierende” noch von ihnen übrig ist. Sie sind es, die mit zunehmender Mühe den Schein von den Universitäten als Ort gesellschaftlicher Umwälzungen aufrecht halten und dabei nicht einmal ihre eigene Misere verwalten können, von der der restlichen Gesellschaft einmal ganz zu schweigen.
    Ein kritisch gebildeter Mensch hätte also zuallererst, bevor er zu irgendeinem anderen Punkt kommt, die unzureichende Rolle der Bildungsinhalte zu kritisieren, insofern sie nur die Inhalte einer Gesellschaft derer sind, die nicht mündig über sich selbst bestimmen. Es gälte, an den Inhalten nachzuweisen, inwieweit sie der Form angepasst wurden und diese Verstümmelungen, die, dem Begriff der Aufklärung nach nichts weiter sind als “selbstverschuldete Unmündigkeit” auf ihre gesellschaftliche Setzung zurückzuführen und diese dementsprechend zu verhindern. Das heisst auch, dass eine Kritik des Bildungssystemes nicht ausreichend ist, sondern die tatsächliche Kritik viel weiter reichen muss. Damit aber ist nicht gemeint, dass nun dieses Bildungssystem die marxsche Lektüre vermitteln sollte, sondern vielmehr, dass sich seine Zwangsinsassen selbst darüber Rechenschaft ablegen, inwieweit sie – so kritisch sie sich auch gerieren – selbst es sind, die sich schon vorauseilend dieser Gesellschaft als Sachwalter und Problemlöser andienen, was die einzige Art und Weise ist, in der ihre Bildung innerhalb kapitalistischer Gesellschaften Anerkennung finden kann. Sie hätten nicht etwa “die neoliberale Umstrukturierung des Bildungsapparates” zu kritisieren und sich damit als Verteidiger des Wohlfahrtsstaates zu profilieren, sondern die Universitäten als Elitenzuchtstationen anzugreifen. Sie hätten nicht darauf zu pochen, dass die Exzellenzinitiative ein Elitendenken hervorbrächte, sondern müssten ankreiden, dass ihre hochgelobten Bildungsabschlüsse sie nicht etwa zu besseren Menschen machten, sondern ebenfalls nur die Karotte sind, die man den Eseln vorhält, damit sie weiter ums Mühlrad traben.
    Nun mag man kritisieren, dass dieser Vortrag selbst schwer verständlich gewesen sei. Sogenannte kritische Studenten fragen sich vielleicht, wie man eine derart schwerwiegende Kritik des Bildungsapparates den Massen näherbringt und mögen sich vielleicht schon jetzt Gedanken über die “Vernetzung und Politisierung” in diesem Gebiet machen. Dagegen sei jedoch als erster Rat entgegenzuhalten, dass auch diese Form der Bildung über Bildung nur ein weiteres Angebot ist, dass sie dann “vermitteln” wollen, und an die Bedeutung der dritten Kompensation erinnert. Viel eher wäre es vielleicht angebracht, sich schlicht nicht mehr so zu verhalten, als seien es die drölfte “Diskurstheorie” und die umpfzigste “Kritische intervention”, die den “unerleuchteten Massen” endlich ein revolutionaries Bedürfnis einimpfen würde. Denn auch unter diesen Massen gibt es einige, die zu einer Kritik fähig sind, die jegliche “AG Kritische Debatte” dermaßen pointiert in den Schatten stellt, dass man sich im Grunde schämen muss, noch 20 Jahre danach Vorträge über die Problematik des Bildungsbegriffes halten zu müssen, wenn ein paar Studenten mal wieder meinen gegen “Umstrukturierungen” protestieren zu müssen.
    Ich zitierte schon zu Anfang aus dem Flugblatt der Lascars du LEP Electronique und gebe es zum Abschluss noch einmal ungekürzt wieder, da man es mit geringen Änderungen auch heute noch verwenden kann. Zum historischen Kontext ist zu erwähnen, dass die Reform Devaquet, eine sogenannte “neoliberale Reform” des französischen Hochschulwesens, ins Haus stand und sich eine breite Protestbewegung formierte, dagegen anzugehen. Sie wurde übrigens schlussendlich tatsächlich gekippt. Eine gewisse Artverwandtschaft zu den Prozessen jetzt im Rahmen des Bolognaprozesses ist nicht von der Hand zu weisen, insbesondere wenn man sich die ähnlichen Verläufe der zugehörigen Protestbewegungen ansieht… aber das führt nun zu weit.
    Der Titel des Flugblattes, den kritische Studierende ein für alle Mal zur Programmatik nehmen sollten ist:
    “Wo etwas zu kritisieren ist, da muss kritisiert werden.”

    Studenten, gestern waren wir mit euch auf der Straße, wir sagen es euch aber gleich mal vorneweg: Die Reform Devaquet ist uns scheißegal. Uns hat der Auslesemechanismus bereits getroffen, die Uni bleibt uns vrschlossen und unsere Hauptschulabschlüsse führen uns nach einem kleinen Umweg übers Arbeitsamt direkt in die Fabrik. Für uns ist die Kritik eures kleinen Gesetzes nutzlos.
    Wir kritisieren:
    Die Universität
    Die Studenten
    Die Schule
    Die Arbeit.

    Die Schule weist uns die schlechten Plätze zu.
    Die universität weist euch die mittelmäßigen Plätze zu.
    Lasst uns beides kritisieren!

    Und sagt uns bloß nicht: “Straßenkehrer und Arbeiter braucht man immer” und wenn doch: nur zu, diese Plätze überlassen wir euch freiwillig, greift nur zu!
    Wir sind nicht dümmer als Ihr, wir werden nicht freiwillig in die Fabrik gehen.
    Wenn ihr nur diese Reform kritisiert, das eure miese Situation lediglich noch ein bisschen miser macht, dann, ja, dann habt ihr NICHTS kapiert. Ausserdem ist eure Situation nicht viel besser als unsere. Eine Menge von euch (man sagt 60%) schmeissen ihr Studium vor der Zwischenprüfung, und diese schlechten Studenten haben dann das gleiche Recht auf einen schlecht bezahlten subalternen Job wie wir. Und den “guten Studenten” sagen wir: macht Euch klar, dass auch die mittelmäßigen Stellen, die man für euch bereit hält, viel von ihrem Ansehen verloren haben – denn die “guten Stellen” sind auch den Unistudenten verschlossen. Ein Arzt ist heute kein Monsieur mehr, sondern ein einfacher Angestellter der Krankenversicherung. Und was ist heute schon ein Lehrer oder ein Rechtsanwalt? Die gibts doch wie Sand am Meer…
    Studenten, wenn ihr nur das Gesetz Devaquet und nicht die Universität kritisiert, dann müsst ihr alleine kämpfen, und das Gesetz wird gleich ganz oder scheibchenweise durchkommen. Es wird euch das Studentenleben ganz schön versalzen! Und falls es zufällig nicht durchkommen sollte – naja, dann ist eben alles wie vorher und die Hälfte von euch wird sich in den keimfreien Fabriken, die ihr Büros nennt, wiederfinden.
    Studenten, Ihr seid dazu verdammt, diese Scheißgesellschaft zu verwalten, und wir, sie zu produzieren.

    Wenn ihr euch bewegt und wenn wir uns bewegen, kann sich alles bewegen.
    Aber wenn ihr nur den neoliberalen oder sozialstaatlichen Bauernfängern hinterherlauft, wenn ihr nur loyal diese Gesellschaft verwalten und auf einfache Art unsere Erzieher, Sozialarbeiter, Klugscheioßer, Industriesoziologen, Führungskräfte, Soziologen, Journalisten und Personalchefs werden wollt – und all das um uns morgen zu erziehen, sozial zu bearbeiten, unsere letzten paar Reste Freizeit zu verunstalten, uns zu untersuchen, uns zu führen, auszusortieren, zu informieren und uns zur Arbeit anzutreiben…
    Dann bleibt uns bloß vom Hals.

    Aber, wenn ihr, um einen Anfang zu machen, die Schulen, die uns ausgrenzen und euch erniedrigen kritisieren wollt, wenn ihr mit uns gegen die gesellschaftliche Hierarchie, gegen euer eigenes und auch unser Elend kämpfen wollt, dann:
    Brüder, auf zur Tat, wir lieben euch.

    Des Lascars du LEP Electronic.

  2. Johannes says:

    Pff hab den scheiss nicht gelesen. Mir hat schon der erste Absatz gelangt, den Rest wollte ich mir nicht geben.
    Ich geh aber aber mal schwer davon aus, dass man das Geseiere auf die Texte von Evi Schmitt & Hypekonsorten runterbrechen kann.
    Sorry aber sich mit solchen verbohrten Meinungen von verzweifelten, verbitterten Antifaschisten auseinanderzusetzen, ist meiner Meinung nach sinnlos… wer will kanns ja lesen, mir ist das zu blöd.
    Der Haufen soll selber erstmal was bewegen, anstatt sich wie die Könige des Widerstands aufzuführen und alles mit hochtrabenden Worten und Nietzsche Zitaten zu zerreden.

  3. TS says:

    Ich schließe mich da Johannes an.
    Man müsste sich kürzer fassen können, wenn man in diesem Rahmen bekehren möchte. In einem Forum absolut deplaziert. Nicht Überzeugung Anderer scheint hier die Intention zu sein, sondern einen Akt verbaler Selbsbefriedigung zu vollführen.
    So kommuniziert man nur mit Menschen, die sich von vornherein mit einem Vorgehen dieser Art identifizieren können.

    Schade, es könnte ja interessant sein.
    Aber er sagt ja selbst “von Leuten, die nur schlaue Bücher lesen und nichts kontruktives machen”

    Vorschlag:
    Hey Humml, hasde ma en Äbsdrägt??

  4. anke says:

    @Hummel
    Und wie ginge dann Bohème richtig? Anderen Bürgerlichkeit vorwerfen find ich zu wenig! Was sollen die Studenten denn tun? Mit Wohnmobilen eine Wagenburg um die Uni bauen?

    Ich schlag dir mal konkret einen alternativen Auswahlmechanismus vor: Eigenverantwortlichkeit! Jeder bemüht sich darum, die Ausbildung zu durchlaufen, die zu ihm passt und die ihm gut tut, weil er so sich und der Gemeinschaft am meisten dient.

    Bis zu Adorno bin ich gekommen, dann hab ich beschlossen, dass ich mit meiner Lebenszeit was Sinnvolleres anfangen kann, als hier weiterzulesen. Solcherlei Reden sind mir nicht neu, früher haben sie mich mal beeindruckt, doch zu oft hab ich darin vergebens dem tiefen Sinn nachgespürt.
    So mancher Satz klingt für mich, als widerspräche sich hier jemand selber, aber ich hab’s nicht Wort für Wort analysiert. Allerdings würde ich jetzt meinen, dass der gut Adorno sich eher FÜR den Bildungsprotest ausspricht! Er fordert doch gerade Freiheiten in Sachen Bildung!
    Vor der Erfindung des Internets gab’s mal diesen Spruch: Papier ist geduldig.

  5. TS says:

    Zitat Hummel:

    “Wir kritisieren:
    Die Universität
    Die Studenten
    Die Schule
    Die Arbeit.”

    Und weiter?

  6. anke says:

    Weiter?
    Da sehe ich so verschiedene grundlegende Schieflagen.

    Ein Uni-Studium ist besser als eine Berufsausbildung. Deshalb unterschiedlicher sozialer Status mit allem, was dazugehört. Falsch! Ich kenne Menschen, für die der Satz stimmt, aber auch welche, für die das Gegenteil richtig ist.
    Arbeit ist reine Ausbeutung. Falsch! Es gibt Tätigkeiten, auf die diese Aussage zu 100% zutrifft, aber es existieren auch solche, die a) Sinn und/oder b) Spaß machen.
    Andere zu erziehen oder zu führen ist verwerflich. Falsch! Sie zu zwingen ist schlecht, aber sie liebevoll an der Hand zu nehmen, hat eine ganz andere Qualität. Der Unterschied? Den muss man fühlen, der lässt sich nicht rational-logisch begründen. Die Grenze von Kant & Co.

    Wo liegt also das Problem? Oder ein Problem?
    Ständig wird nach pauschalierten Lösungswegen gesucht. Da berufen wir uns auf Adorno (ja, der hat tolles Zeug gesagt) oder plappern Jesus nach (ja, der war supergut drauf) oder zitieren Marx (ja, der hatte gute Ideen). Aber, hey, ich BIN weder Adorno noch Jesus noch Marx! Ich bin ich!
    Wonach wir meiner Meinung nach streben sollten, ist also ein Handeln aus uns selber und aus unserer eigenen Verantwortung heraus, so dass wir uns morgen noch im Spiegel anschauen können! Denn unsere Handlungen werden unser Leben prägen, werden uns prägen. Und ich bin schließlich der einzige Mensch auf der Welt, der mich ein ganzes Leben lang aushalten muss.
    O, aber das läuft der Macht zuwider! Und die versucht gerade, Bildung und Zusammenleben in Formen zu quetschen, die für alle gelten sollen. Einfalt statt Vielfalt. Ich mag aber lieber ein Vielfaltspinsel sein! Also Protest!

  7. @hummel says:

    “Nachdem es lange ruhig gewesen ist und sich ausschließlich das Design geändert hat, wollen wir langsam zurück zu einer regelmäßigen Aktualisierung kommen.
    Das wird wohl erst im Februar der Fall sein, allerdings dann im wöchentlichen Turnus und als Gruppenveröffentlichungen, statt als publizistischer Soloflug.”
    Wer bitte ist wir? Wessen Design hat sich geändert?Gehts mal ein wenig konkreter?

  8. @@hummel says:

    googlen soll helfen…

    text ist wohl von hier: http://anti.blogsport.de/

  9. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Regensburg-besetzt, Würzburg brennt erwähnt. Würzburg brennt sagte: #wuebrennt Blog: Plenumstermin in der vorlesungsfreien Zeit http://bit.ly/dt6NEY #unibrennt [...]

  10. anti says:

    Da man den Text hier schon kommentiert und ich mich ohnehin grade auf die einzige Art und Weise für die Uni engagiere die ihr angemessen ist – will heißen, ich drücke mich grade vorm lernen – noch ein paar Kommentare dazu.

    Weil ich mir den Vorwurf der Elitenbildung gerne erspare, hier zumindest ein Abstract:

    Dass die Studentenproteste zum Scheitern verurteilt sind, liegt weniger an den Studierenden selbst, an mangelndem Engagement oder gar an einer ungenügenden Anzahl “kreativer Aktionsformen.”
    Dass sie zum Scheitern verurteilt sind, liegt zuvorderst in der Tatsache begründet, dass die Studierenden sich keine Rechenschaft über ihre gesellschaftliche Stellung ablegen und vor allem keine Reflexion der postulierten Ziele selbst stattfindet. Unkritisch übernimmt man das Bildungsbürgerliche Ideal, ohne hierbei die Grenze des Bildungsbegriffes zu sehen, die sich daraus ableitet, dass die bürgerliche Idee der Bildung einige bestimmte anthropologische Grundannahmen voraussetzt, die gesamtgesellschaftlich nach und nach verschwinden und ohnehin selbst zu Zeiten ihres Zenits einigen wenigen vorbehalten waren.
    Statt dieses Ideal zu kritisieren und gegen die mangelnde Möglichkeit seiner Einlösung als kritische Waffe aufzufahren, bringen sie ihre moralischen Überzeugungen in Anschlag gegen eine als feindlich fantasierte Welt, die doch längst zumindest dem Prinzip nach lieber die studentischen Bildungsbürger mag als ihre proletenhaften Schützlinge auf den Straßen.

    Was genau das heißt, dazu sollte man dann schon den Text lesen, kann doch für Studenten nicht so schwer sein.

    Konkret läuft das vor allem darauf hinaus, Leuten wie Anke militant die Absage zu erteilen, wenn sie allen Ernstes fordern:
    “Jeder bemüht sich darum, die Ausbildung zu durchlaufen, die zu ihm passt und die ihm gut tut, weil er so sich und der Gemeinschaft am meisten dient.”
    Der Dienst an der Gemeinschaft ist so ziemlich das Letzte, was von einer emanzipatorischen Protestbewegung zu leisten ist. Es geht um die Freiheit und gerade die Abschaffungen des Götzendienstes an Staat,Kapital, Volk und Nation… stattdessen fantasiert man sich allen ernstes die Gemeinschaft der Guten heran, die natürlich in letzter organisatorischer Konsequenz auch keinen großen Unterschied von der Nation mehr kennt. (Aber dazu müsste man dann natürlich die Genese des Nationsbegriffes kennen und verstehen und das ist Studis dann natürlich wieder zu antifaschistisch und verbittert)

    Besonders weh tut es dann, wenn Marx “gute Ideen” bescheinigt werden, wo man dann schon drauf wetten kann, dass die betreffende Person vermutlich glaubt, Marx hätte “konstruktive Vorschläge” gemacht und etwas anderes als die Kritik der politischen Ökonomie betrieben.
    Aber dass es hier nicht um die Abschaffung von Herrschaft und Privilegien geht, dass es schon dreimal nicht darum geht, etwas anderes zu tun als – mit den Lascars gesprochen – diese Scheißgesellschaft zu verwalten, zeigt sich ja dann an wunderbaren Kommentaren wie:
    “Andere zu erziehen oder zu führen ist verwerflich. Falsch! Sie zu zwingen ist schlecht, aber sie liebevoll an der Hand zu nehmen, hat eine ganz andere Qualität. Der Unterschied? Den muss man fühlen, der lässt sich nicht rational-logisch begründen. Die Grenze von Kant & Co.”

    Und genau deswegen darf man den protestierenden Studenten, die die bravsten und sozialengagiertesten Personalchefs aller Zeiten werden wollen nur leidenschaftlich den Misserfolg wünschen. Sie “Fühlen”, dass sie zu “führen und zum liebevollen an der Hand nehmen” bestimmt sind.
    Man kann gar nicht soviel essen, wie man kotzen möchte.

  11. @anti says:

    bla bla bla

  12. anti says:

    Der Differenziertheit der Kritik bin ich natürlich nicht gewachsen. Zu meiner persönlichen Verteidigung kann ich nur anmerken, dass – wie das Vorwort ja schon anmerkt – ich den Vortrag gar nicht erst auf studentischen Protesten hielt, da mir recht schnell nach Anfang der Proteste einleuchtete, dass hier Hopfen und Malz verloren sein würde.
    Von daher ist er natürlich auch hier schlecht aufgehoben und als Kritik ungeeignet. Als Kritik taugt er nämlich nur dann, wenn die Rezipienten tatsächlich noch die allgemeine Emanzipation des Menschen als Ziel zumindest postulieren. Ist von Anfang an die angestrebte Forderung nur, die Luft in der Hölle mit Raumerfrischern anzureichern, nützt es natürlich nichts, zu erklären, warum dieses Ziel nicht ausreichend sei.
    So es euch genügt, ist es natürlich grob falsch, eure niedrigen Ansprüche auch noch zu verteufeln und wäre seinerseits schon wieder Ausdruck der allgemeinen Gesellschaftsunfähigkeit.

  13. anke says:

    @anti
    Das Einzige, was die Uni verdient? Nicht lernen? Weshalb studierst du denn? Als Gefallen für Herrn Forchel? Weil Papa das so will? Oder was? Das klingt mir ja reichlich unreif! Ich bin ein neugieriger Mensch, weshalb ich den Input der Uni geliebt habe, aber das war vor BA…

    Lies doch bitte exakt, was ich schreibe! Nicht Staat, sondern Gemeinschaft. Der Mensch ist nun mal ein soziales Wesen, also benötigt er Artgenossen zum (Über-)Leben! Du erweckst den Eindruck, so derart in deiner Ablehnung gefangen zu sein, dass du nicht mal zulassen kannst, dass es Positives im Zusammenleben geben kann. Robinson der Großstadt?

    Was schlägst du zu Pädagogik und Führung vor? Ein starres Regelsystem, wie zu erziehen ist? Oder lieber keine Erziehung? Sollen die Scheiß-Blagen doch sehen, wie sie allein über die Runden kommen? DAS finde ich asozial!

    Was verstehst du unter Emanzipation? So wie es rüberkommt, begreifst du es als totale Negation. Das ist billig und es ist unfrei, weil du nicht danach entscheiden kannst, was dir gut tut, was zu dir passt, sondern immer dagegen sein musst.

    Du fühlst dich unverstanden, ergo sind die Rezipienten schuld. Das ist wie: Wenn ich mit den Sommerschläppli im Schnee ausgleite, ist natürlich der schlecht geräumte Gehsteig schuld. Ich? Niemals! Ducunt volentem fata, nolentem trahunt! (Seneca) Und es schleppt ohne Erbarmen, das sage ich dir!

    Woher nimmst du die Behauptung, dass hier die eigene Position innerhalb der Gesellschaft nicht hinterfragt wird? Weil du mal zwei, drei Einträge gelesen hast? Daraus rechnest du dann hoch? Warum? Kommt grad gelegen? No future?

    Dann wünsche ich dir weiterhin viel Appetit ;-)

  14. Crono Al Shezar says:

    Soziologiestudenten schreiben lange Texte, die man einfach nicht lesen kann, da sie zu sachlich und trocken sind.

    Boring. Da war das mit den Pappnasen noch besser.

  15. Crono Al Shezar says:

    Korrigiere: Nicht lesen will.

  16. Hummelchen says:

    Haste fein gemacht… und wie läuft das Studium so?

  17. anti says:

    Im Grunde müßig, zu diskutieren, wenn die Diskutierenden Argumentationen ad personam führen wollen, aber bitte: Diese Überzeugung nehme ich aus einiger Zeit an Universitäten, aktiver Mitarbeit an den letzten beiden Bildungsstreiks und ausserdem organisatorischer Beteiligung in der Anfangsphase von diesem.

  18. anti says:

    Hoppla. Und zu früh auf Submit gedrückt.
    Weiterhin:
    Warum ich studiere – warum jeder studiert. Um meinen Arsch später meistbietend verkaufen zu können. Ich lerne weitaus effektiver autodidaktisch, ich habe weitaus interessantere Gesprächskreise ausserhalb der Universität und ich befolge meinen Studienverlaufsplan – insbesondere, da ich bereits von der Bolognareform betroffen bin – sicher nicht deshalb, weil er eine tatsächliche Bildung ermöglichen würde.
    Sondern weil ich später einige hübsche, möglichst hochbewertete Scheine in der Tasche haben kann, um meine Arbeitskraft zu einem möglichst hohen Wert verschachern zu dürfen.
    Das passt mir auch nicht unbedingt, aber solange die Welt – und Deutschland insbesondere – überbevölkert ist mit Ankes, die studieren weil es ihnen so unheimlichen Spaß macht, steht die Revolution eben noch lange, lange, lange hintenan.
    Was den Begriff der Negation anbelangt gilt es zu unterscheiden zwischen konkreter und abstrakter Negation, wovon die eine gesellschaftspraktisch und die andere auf dem Standpunkt der kritischen Theorie erfolgen muss oder müsste. In jedem Fall – da ist dir vollends rechtzugeben – ist sie das genaue Gegenteil des affirmativen Stumpfsinns den du und deine Gesinnungsgenossen betreiben.
    Ich werde es mir auch ersparen, dir die Differenz von Gemeinschaft und Gesellschaft zu erklären, die darfst du bitte in soziologischen Grundwörterbüchern nachschlagen – ich bin übrigens kein Soziologiestudent, das nur am Rande – und ich hege die leichte, wenn auch vermutlich unbegründete Hoffnung, dass du verstehen KÖNNTEST, was Staat mit Gemeinschaft zu tun hat und weshalb Gemeinschaft im Grunde eine relativ eklige Sache ist. Und ich fühle mich nicht unverstanden, ich sage vielmehr, dass ihr sehr gut versteht, dass es eure Sache nicht ist, eine Emanzipation im Wortsinne voranzutreiben und daher tut ihr das ja auch nicht.
    Wir haben unterschiedliche Ziele. Ich will gar nicht unbedingt, dass ihr mir zustimmt, ebensowenig wie ich die Unterstützung bspw. der Kapitalisten dafür will, dass sie selbst ihre Produktionsmittel enteignen.
    Nun ja. :)
    Aber man kommt hier in Revolutionsgebahren hinein, und das sollte man hierzulande Erfahrungsgemäß nicht, das missversteht der kleinbürgerliche Mob – der ja traditionell seine ideologische Speerspitze im Studententum hat – nur zu gerne als Freifahrtschein für den Volksaufstand.
    Aber, da der Link ja leider in dem Repost ohne Quellenangabe baden gegangen ist, hier nochmal der Track für Leute, denen der Text zu lange ist.

    http://antilopengang.de/media/panik-koljah-nmzs_-_spastikdesaster_-_11_-_fick_die_uni_feat_danger_dan.mp3

    :)

  19. @anti says:

    “Das passt mir auch nicht unbedingt, aber solange die Welt – und Deutschland insbesondere – überbevölkert ist mit Ankes, die studieren weil es ihnen so unheimlichen Spaß macht, steht die Revolution eben noch lange, lange, lange hintenan.”
    So lange die Welt mit solchen Ich-weiß-auch-nicht-weiter-auf-der-einen-Seite-verkauf-ich-meine-Kraft-und-auf-der-anderen-Seite-wär-ich-zu-gern-Revolutionär(weiß aber nicht wies geht)-aber-lieber-geh-ich-denen-auf-den-Nerv-die-was-tun-Leuten wie Dir voll ist, so lange glaub ich nicht, dass Leute wieDu anderen was vorzuschreiben haben.
    Übrigens(um nicht wieder in eine Ecke gestellt zu werden):Ich hab jahrelang Marxismus-Leninismus gelernt, war Parteigruppenleiter und im Kreis aktiv.

  20. Sango says:

    “Übrigens(um nicht wieder in eine Ecke gestellt zu werden):Ich hab jahrelang Marxismus-Leninismus gelernt, war Parteigruppenleiter und im Kreis aktiv.”

    Haha, ich glaube du hast mit Anti wirklich nichts gemeinsam. Der hat bestimmt nix mit Lenin am Hut. Aber in eurem Denken gibt es ja nur zwei Alternativen: Kapitalimus und Staat. Ist Kapitalimus scheiße, machen wir Staat. Und jetzt frag nicht nach der Alternative…

    Oh, noch was: jeder gute Sozialdemokrat ließt Lenin. Haha.

  21. @sango says:

    Es beruhigt mich, dass ich mit anti nix gemeinsam hab.Ich wollt ihm eigentlich nur erklären, dass er nicht ganz dicht ist und nicht unbedingt Verständnis aus dem “Staat”hat.
    Allerdings irritiert es mich, wenn ich falsch rübergekommen bin. Vielleicht reagiere ich so wütend, weil ich in dem “Staat” sehr gern studiert hätte, aber kein Arbeuiterkind war. Das, was anti in dem Bezug auf anke schreibt, ist genauso bescheuert. (/Elite)

  22. blub says:

    @anti
    deine ideen sind schön und gut aber sind sie umsetzbar? ich sag da ganze klar nein…
    Die Studentenproteste versuchen ihr großes Ziel durch die erfüllung kleiner Zeile zu schaffen und nicht durch die große Revolution gegen alles und jeden … Denn bei der würde kein Mensch mitmachen.. In Deutschland geht es den meisten Menschen recht gut da gibt es keinen Sinn irgendwas für eine “Revolution” zu riskieren wie du es offensichtlich vorschlägst (und selber nicht umsetzt… )
    Und wenn ich dich richtig Verstanden hab willst du keinen Staat sondern eine art anarchie und das hat noch nie geklappt und wird auch nicht klappen außer du änderst die Menschen was aber leider/zum glück unmöglich ist….
    Ein bischen staat muss halt sein sag ich mal…

  23. anke says:

    Okay, mir ist MILITANT eine Absage zu erteilen, was ich in Alltagssprache übersetzen würde mit: Schlag die Frau zamm! Und dann bin ich diejenige, die Argumentation personenbezogen führt? Wie kann man denn noch viel persönlicher angreifen?

    Was für ein Menschenbild hat jemand, der Gemeinschaft für eine relativ eklige Sache hält? Wie sieht so jemand sich selbst? Die eigene Person in Relation zu den Mitmenschen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für ein Zusammenleben?

    Wenn ich die Statements so lese, auch die Reaktionen darauf, dann drängt sich der Eindruck auf, dass hier jemand sich selber für besser hält. Die Weisheit mit Löffeln gefressen?
    Was ist denn besser daran, wenn man gegen sich selber anstudiert, um später Schotter zu machen? (Übrigens kenne ich so manchen arbeitslosen Akademiker.) Das ist doch genau die Form unfreier Bildung, gegen die sich dieser aktuelle Protest richtet!
    Was ist kleinkariert daran, wenn man sich für neues Wissen interessiert, mit Spaß neue gedankliche Zusammenhänge erobert? Gerade das erweitert doch den Horizont! Nicht das Nachplappern von revolutionären Sprüchlein. Das brüht nämlich alten Tee nur erneut auf.
    Um auf exaktem Lesen rumzureiten ;-) Das mit dem Studieren steht im Perfekt…

    Wer sind denn meine Gesinnungsgenossen?

    Emanzipation im Wortsinn? Aus der Hand nehmen, konkret aus der des pater familias. Das heißt erwachsen, reif werden und für sich selber einstehen. Eine Handlung nicht daraufhin abklopfen, ob sie in die Schulblade Bürgertum oder Kommunismus oder was-auch-immer passt, sondern zu fragen, ob sie zum eigenen Selbst passt. Verantwortung übernehmen – und dazu gehört auch Empathie! In die ekligen Mitmenschen, ja.
    Aber ich vermute, du hättest jetzt lieber eloquente Revolutionsreden an dieser Stelle… Vielleicht wäre es verdammt revolutionär, jeder würde mal seine eigenen Gedanken denken? Für viel zu viele sicher ganz neu, ist ja auch nicht angesagt, denn das passt nicht zum Bildungssystem. Selber denken, wenn das jeder machte ;-) Wo kämen wir denn da hin?! Ja, wohin?

  24. @anti says:

    “Im Mansfeldischen Grubenrevier, wo die Bergarbeiter seit sieben Wochen streiken, hat eine Frau gesagt: Ich habe meinem Mann die Treue am Altar geschworen, und ich halte sie ihm auch im Streik. Unterschätzen wir nicht die Solidarität! Einen Finger kann man brechen, aber fünf Finger sind eine Faust!“
    Ich denke, Du weißt wer das gesagt hat. Seit Wochen verhallen die Bitten, dass ihr wieder an einem Strang ziehen sollt. Weder gute Worte noch Bilder(DemoFfm)helfen. Ich begreif das nicht. Aber jetzt noch Unterstützer wie Anke anzugreifen, das ist die Härte.

  25. TS says:

    @anti

    stimme meinem Vorschreiber zu, es ist das Letzte wie Ihr Euch verhaltet. Ich stimme vielen Dingen zu die Ihr schreibt und versuche die jetzige Protestform immer und immer wieder zu hinterfragen, komme dabei aber stets zu dem selben Ergebnis, dass es am ehesten zielführend ist, kleine Brötchen zu backen. Wir wären zu wenige für jedweden großen Umsturz und IHR seid mit Schuld daran, weil Ihr die Unterstützung versagt. Die Menschen drausen wissen es nicht besser aber Ihr schon, und das ist das verwerfliche. Aber wer Gemeinschaft für eklig hält, dem ist wohl nicht zu helfen…

  26. anke says:

    @TS
    Das kommt dir nur so vor, als würden wir kleine Brötchen backen! Auch die ganz großen Ergebnisse brauchen Millionen kleiner Handgriffe. Vergleich doch mal mit dem Grand Canyon! Welch gigantisches Loch haben kleine Wassertropfen ins Gestein geschnitten. Dauert halt seine Zeit.
    Was wurden Suffragetten, Demokraten, Friedensbewegung, Umweltgruppen, Grüne etc. belacht! Wie viele Aktionen und Rückschläge hat es gekostet, dass ihre Ideen heute politisches Gemeingut sind! Wenn auch noch nicht überall so richtig verankert…

  27. Ben says:

    Man kann den “Protest” und seine Kritik nun mal nicht voneinander trennen. Beides funktioniert nur aufeinander bezogen, deshalb ist es sehr gut nachzuvollziehen, wie hier argumentiert wird.

    Es ist ein grundsätzliches Dilemma des Protestes, dass keine neue Repräsentationsform gewählt wurde. Man spielt nach den selben Spielregeln wie die Politik und die Institutionen und kann deshalb keine grundlegenden Veränderungen erreichen. Übrigens das gleiche Dilemma, das im Endeffekt die Grünen und in Zukunft auch die LINKE konformisiert und damit im Grunde überflüssig machen wird.

    Ein Wort zu Gemeinschaft: Warum empfinden manche Leute wohl Gemeinschaft als etwas schlechtes.
    Gemeinschaft ist etwas konstruiertes, sie ist nicht wirklich existent. Die Idee der Nationalstaatlichkeit ist vielleicht 200 Jahre alt. Wir haben im 3. Reich gesehen, zu was das im schlimmsten Fall führen kann, wenn der Begriff der Gemeinschaft propagandisiert wird. Heute sieht man das nicht nur bei religiösen Gruppierungen, sondern vermehrt in ethnisch konstruierten Konflikten.

    Wegen mir könnt Ihr stolz auf Euch sein, wenn Ihr etwas verändert, das will ich Euch bestimmt nicht mies machen.

    Aber es ist schon so, dass Ihr es im Endeffekt nur für Euch selber erreicht, nicht für manch andere, in deren Namen Ihr denkt, zu “protestieren”. Es ist Lobbyismus, weil Ihr im System agiert.

    Nicht mehr und nicht weniger.

  28. anke says:

    @Ben
    Gemeinschaft ist nicht gleich Staat. Warum beschleicht mich das Gefühl, mich zu wiederholen? Wenn ich mir so manche Tierart anschaue, dann ist Gemeinschaft (Rudel, Schule, Herde…) überaus natürlich. Ich halte mich auch gern in menschlichen Gemeinschaften auf. Der Mensch als soziales Wesen…

    Ein ganz anderes Thema – und das darf nicht unlauter verwoben werden – sind Hierarchien. Da gibt es natürliche Autoritäten, Alphatiere, die Verantwortung tragen und anerkannt resp. von (fast, vgl. Rangkämpfe) allen gewollt sind. Dann gibt es aber auch noch die Autorität qua Amt, nennen wir das mal Funktionäre, da sie Funktionen ausfüllen. Leider viel zu oft dilettantisch und inkompetent.
    An dieser Stelle werden dann auch Dinge propagiert, die einfach eine mächtige Schieflage haben. Gemeinschaft als Blut- und Bodenfolge oder sowas.

    Dein Problem mit dem Agieren des Protests im System sehe ich auch. Es sind die fundamentalen Axiome, die hinterfragt werden müssen, aber das macht ganz viel Angst, zumal bisher dazu die Form Revolution, Terror oder Vergleichbares gewählt wurde, was nur neues Leid gebracht hat.
    Meiner Meinung nach sind diese Wege nicht zielführend. Sie bleiben systemkonform, sie verschließen sich der Kritik und damit geraten sie aus den Fugen und unmenschlich. Nein, danke.
    Da sich hinter vielen starren Postulaten kollektive Existenzängste verbergen, ist eine behutsame, ja liebevolle Vorgehensweise zweckmäßig. Die Leute müssen erst ganz langsam Vertrauen gewinnen und ihre Traumata überwinden.
    Das allerdings erreiche ich niemals mit arroganten, vernunftbetonten Wortschlachten, hierfür braucht es die aus der Mode gekommene Nächstenliebe (für die ich echt kein Christ sein muss). Will sagen Geduld, Nachsicht, Einfühlungsvermögen, aber natürlich auch Konsequenz und klare Linie.
    Hier kann jeder sofort etwas tun, nämlich sein eigenes Herz für die Nächstenliebe (die auch die Liebe zu sich selbst einschließt) öffnen. Das ist reichlich schwer! Ich jedenfalls stecke da noch mächtig in den Kinderschuhen. Die Menschen so annehmen, wie sie nun mal sind. Das ist echt groß! Aber es löst verdammt viele Probleme.
    Um da gleich vorzubeugen, weil es oft verwechselt wird: Das heißt nicht, dass man alle Leute rosarot sieht. Um tolerant zu sein, brauche ich eine klare eigene Position, und um zu lieben, muss ich auch nein sagen können. Hier ist die Grenze, das lehne ich ab.

  29. TIK TAK says:

    stinke stanke stunke, der benni ist ein schmutziger halunke

  30. Ben says:

    @Anke:

    Gemeinschaft ist nichts “natürliches”, genauso wenig wie Kultur oder sonst irgentwas natürlich “gewachsen” ist.

    Im Sinne aktueller Konstruktion wird Staat bei uns oft als westliche “Wertegemeinschaft” konstruiert, was man wohl auch als glatten Blödsinn bezeichnen kann.

    Der Mensch als soziales Wesen ist ja durchaus in Ordnung, aber nicht in der obigen Interpretation, die oftmals verkauft wird…

    Da man zum Sinne des Protests die Gesellschaft kritisch betrachten muss, lassen sich diese “arroganten, vernunftbetonten Wortschlachten” nunmal nicht vermeiden. Sicher ist es hilfreich, sich mal mit der kritischen Theorie zu beschäftigen, man muss ja kein Fan werden. Aber dazu ist ja schon genug gesagt worden.

    Ich habe nichts gegen Deine Art zu protestieren, für mich ist das nur nichts.

    Toleranz ist leider ein ziemlicher Scheißbegriff…welchen Sinn hat Toleranz, wenn sie Grenzen hat? Dann macht sie wohl keinen Sinn mehr.

    Toleranz, PC, Objektivität, alles Begriffe, die sich echt toll anhören, aber nur dazu da sind, sich selbst zu betrügen.

  31. anke says:

    @Ben
    Das hört sich verdammt gefrustet an!

    Also mit den Wortschlachten meine ich nicht die Leute, die sich kritisch und analytisch mit Gesellschaft, dem Lebenssinn und ähnlich wichtigen Fragen beschäftigen. Mich stört es zwar, wenn angenommen wird, allein in der Ratio läge der Segen, aber ohne Hirn – das geht auch den Bach runter!
    Es kotzt mich allerdings richtiggehend an, wenn statt der intelligenten Betrachtung nur noch wohlklingende Worthülsen rüberkommen, die auch noch als der Welt großer Segen verkauft werden. Das halte ich für überheblich.
    Wir sind soziale Wesen, wir brauchen unsere Mitmenschen, für mich ist das absolut okay. Westliche Wertegemeinschaft schließe ich hier nicht ein, das hat mir zu viel Leitkultur. Schubladen, in die ich trotz aller Bemühungen noch nie reingepasst habe. (Da bin ich jetzt beleidigt, sollen sie sich ihre Kategorien doch ;-) )

    Objektivität existiert nicht bzw. entbehrt jeglichen Sinns. Qualität entzieht sich der Messung: Welche Musik ist sachlich gut? Welcher Gedanke ist wertvoller? Und woher kann ich absolut gültige Kriterien bekommen? Daran haben sich schon viele schlaue Leute die Zähne ausgebissen, denn es ist nicht möglich, sowas zu schaffen.

    PC? Personal Computer? Ich gehöre noch zu der Generation, die ohne kann und kennt ;-)

    Toleranz. Die wird so gern verbogen, um Leute zu manipulieren! Dabei halte ich sie für ausgesprochen wertvoll! Wahrnehmen, dass andere Menschen anders ticken, das vielleicht für sich selbst sogar ablehnen, aber den Mitmenschen zugestehen, so zu sein. Bsp.: Ich finde Fasching blöd, aber ich sehe dir macht er Spaß, weil er für dich die und die Bedeutung hat. Also lasse ich dich feiern.
    Der Knackpunkt daran ist, dass man von sich selber wissen muss, wo man steht, sonst wird Toleranz zur Wurschtigkeit. Außerdem benötigt man die innere Größe, nicht zu verurteilen, was man ablehnt. Eben nicht sagen: Schau mal, der kindische Affe feiert Fasching.
    Und die Grenze? Es gibt leider zu Hauf Menschen, die extrem intolerant sind, bis hin zur Menschenverachtung. Deren Sadismus darf und muss niemand dulden, das ist keine Toleranz mehr, hier beginnt dann das Thema Feigheit/Zivilcourage.
    Für mich ist es z.B. tolerant, wenn jemand sieht, dass er eine bestimmte Art des Protestes für sich ablehnt, jedoch anderen zugesteht, weil er erkennt, dass es für diese(n) passt.

  32. Ben says:

    Toleranz ist ein Ausdruck von Macht, die man sich über andere verleihen möchte, in dem man über sie urteilt.

    Sie ist kein Zeichen von Respekt oder sonst etwas, weil “unsere” Toleranz den “anderen” Grenzen aufzeigt, Dinge, die wir in unserem Empfinden als “richtig” empfinden und deshalb als universal betrachten…was noch lange nicht heißt, dass sie der Realität entsprechen.

    Wer gibt Dir bitte das Recht irgentjemand etwas zugestehen zu dürfen?

  33. anke says:

    @Ben
    Niemand gibt mir dieses Recht. Aber in der Praxis nehmen es sich genug Leute raus. Nein, ich bilde mir nicht ein, davon frei zu sein, ich weiß, dass ich hier ringe. Doch ist es ein Schritt in eine andere Richtung, wenn man ausschert und nicht mehr verurteilt.
    Das (nicht: dein) Dilemma liegt in deinem Satz m.E. in einem kleinen “und”. Ich soll und darf Dinge für mich richtig empfinden, ich darf mich dabei auch von anderen abgrenzen. Problematisch, d.h. bevormundend, wird es dann, wenn ich davon ausgehe, dass mein Empfinden universal sein kann. Damit postuliere ich allgemeingültige Kriterien. Typische Floskel von Eltern: Ich weiß, was für dich gut ist. (Spätestens das Leben hat mich da eines Besseren belehrt)

    Der Respekt entsteht, indem ich nicht werte, sondern nur mich klar positioniere. Schlagwort Ebenbürtigkeit. Oder als Bild der Berg, den man von unterschiedlichen Perspektiven anders wahrnimmt.
    Hier brauche ich dann den Mut, das Vertrauen und die innere Freiheit, um das für mich zulassen zu können – und somit auch für meinen Mitmenschen. Ihn eben nicht zwingen, meinen Blickwinkel zu übernehmen, was schon immer eine gewisse Verlockung besitzt. Das meine ich mit zugestehen, also eine achtungsvolle Haltung.
    So wie du Toleranz beschreibst, kann ich sie nicht gutheißen, da schließe ich mich dir voll an, aber ich definiere sie wohl anders. Es ist echt eine Gratwanderung und hat verdammt viel mit Bewusstsein von sich selbst zu tun, das meint auch, sich selber gegenüber gnädig zu sein. (Höllisch schwer, finde ich!)
    Bin ich jetzt da etwas schärfer, klarer geworden? Das hoffe ich doch!

  34. P.O.O. says:

    Na sieh mal einer an, soeben frisch eingetroffen:

    Hartz-IV-Sätze sind verfassungswidrig

    Die seit 2005 geltenden Hartz-IV-Regelsätze für Erwachsene und Kinder verstoßen gegen das Grundgesetz. Das entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die Leistungen seien nicht korrekt ermittelt worden. Nach dem von Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier verkündeten Urteil genügten die gesetzlichen Vorschriften nicht dem Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums nach Artikel 1 des Grundgesetzes. Zudem verstoßen sie gegen das in der Verfassung garantierte Sozialstaatsprinzip, hieß es zur Begründung.

    Die bisherigen Regelungen dürfen aber bis zum Jahresende weiter gelten. Der 1. Senat gab dem Gesetzgeber auf, zum 1. Januar 2011 die Berechnungsgrundlage neu zu regeln. Die Richter ließen in ihrer Entscheidung aber ausdrücklich offen, ob das Arbeitslosengeld II erhöht werden muss oder nicht.

    Zudem ordneten die Richter an, dass Hartz-IV-Empfänger ab sofort in seltenen Ausnahmefällen Zusatzleistungen erhalten müssen. Das gilt etwa bei Krankheiten, für die Kranken- und Sozialkassen keine Kosten übernehmen.
    Regierung muss Hausaufgaben machen

    Nach Ansicht des Verfassungsgerichts ist das zur Bedarfsermittlung von Hartz-IV-Empfängern gewählte “Statistikmodell” ein geeignetes Berechnungsverfahren. Allerdings sei in der Praxis immer wieder abgewichen worden. So sei die Koppelung an den aktuellen Rentenwert sachwidrig. Die Karlsruher Richter bemängelten weiter, dass ein kinderspezifischer Bedarf überhaupt nicht ermittelt werde. Die Festsetzung des Sozialgelds für Kinder auf 60 Prozent der Erwachsenen beruhe auf keiner vertretbaren Methode zur Bestimmung des Existenzminimums.

    Generell schreibe das Grundgesetz keine bestimmte Methode der Bedarfsermittlung für Hartz-IV-Bezieher vor, führte Gerichtspräsident Papier weiter aus. Der Gesetzgeber sei aber von Verfassungs wegen verpflichtet, alle existenznotwenigen Aufwendungen folgerichtig in einem transparenten und sachgerechten Verfahren nach dem tatsächlichen Bedarf, also realitätsgerecht, zu bemessen. Dem müssten verlässliche Zahlen und schlüssige Berechnungsverfahren zugrundeliegen.

  35. anke says:

    @P.O.O.
    Es geht echt nur um die Ermittlung des Bedarfs. Wenn die jetzt hergehen und einfach offen berechnen, dass jemand im 1-€-Shop Klamotten kaufen muss, so wie früher der Quelle-Katalog als Berechnungsgrundlage gedient hat, dann verbessert das die Situation der Betroffenen nicht wirklich. Daran anschließen muss sich nämlich dann eine Flut von Klagen, in denen vor Gericht erstritten wird, was zu einem menschenwürdigen Leben gehört.
    Davon völlig unbetroffen ist also die Höhe der Sätze. 359 € im Monat für einen Erwachsenen meine ich zu erinnern. Was du woanders herbekommst, wird sofort abgezogen – siehe Geldgeschenke zur Kommunion…
    Damit ist auch nicht geregelt, dass den Leuten von Politikern, die monatlich mehr Steuern zahlen, unterstellt wird, sie seien nur zu faul zum Arbeiten. Die gibt es freilich auch, aber die werden sich immer und in jedem System drücken. Aber ich verzichte ja auch nicht laut schreiend darauf, Eier zu essen, bloß weil mal ein faules dabei ist.
    Was geschieht eigentlich, wenn HARTZ IV Empfänger mit 1-€-Jobs die HiWiArbeiten übernehmen, für die derzeit ordentlich (?) bezahlt wird? Wie verdienen dann Studenten ihre 500 € Studiengebühren? Oder ungelernte Arbeitskräfte? Wovon leben die dann?
    Hier wird wieder sehr weit im voraus gedacht. Etwa eine Legislaturperiode lang.