Großdemonstration 30.01.10 Frankfurt a. M. – Aufruf

Der Bildungsstreik 2009 war nicht umsonst! Die Abschaffung der Studiengebühren im Saarland oder in Hessen im Jahr zuvor, sowie Teilerfolge, wie die Senkung der Studiengebühren in Bamberg und die Abschaffung der allgemeinen Anwesenheitspflicht in Würzburg haben gezeigt, dass unser Protest wirkt. Durch den Mangel an ernstzunehmenden Reaktionen der Regierenden wird allerdings klar, dass dies allein nicht ausreicht. Breites, öffentliches Eintreten für unsere Forderungen ist unumgänglich, um auch die Parlamente und Regierungen zum Einlenken zu bewegen. Der Wandel der Hochschulen, hin zu verschulten Lernfabriken, die im Sinne der Verwertbarkeit von Bildung, den Konkurrenzkampf unter Studierenden vorantreiben, wird anders nicht zu stoppen sein. Daher rufen wir hiermit dazu auf, an der Großdemonstration am 30.01.10 in Frankfurt am Main teilzunehmen, um gemeinsam die Rückgabe der Universitäten an die Gesellschaft zu fordern. Weiterhin wollen wir uns mit unseren Frankfurter Kommilitonen solidarisch gegen den Versuch der Unileitung stellen, den dortigen AStA finanziell auszuhungern und somit die studentische Selbstverwaltung zu untergraben und die Studierenden zu entpolitisieren. Auch wir kämpfen für eine verfasste Studierendendenschaft und wollen Versuche, sie in anderen Städten zu unterminieren, nicht hinnehmen. Aus vielen anderen Universitäts-Städten werden Mitstreiter erwartet. Treffpunkt in Würzburg ist  um 10:15 am Hauptbahnhof. Wir fahren mit Wochenend-Ticket, zu fünft kommt man pro Ticket also auf etwa 7€ Fahrtkosten. Nur gemeinsam können wir etwas Bewegen und die Verantwortlichen zum Umdenken veranlassen. Für ein selbstbestimmtes Leben und Lernen, ohne Studiengebühren, ohne soziale Selektion.

www.bildungsstreik-ffm.de

59 Responses to “Großdemonstration 30.01.10 Frankfurt a. M. – Aufruf”

  1. Beobachter says:

    Zur Demo in Frankfurt:
    Das war größtenteils ein Aufmarsch von Kommunisten und Anarchisten.
    Da geht es weniger um Inhalte als vielmehr um den Protest, d.h. die Systemkritik an sich. Aber was viele dieser Leute nicht begreifen wollen: Dieses “System”, welches sie so verabscheuen, erlaub es ihnen in Sicherheit und Wohlstand zu leben…
    Darüber sollten sie sich mal Gedanken machen.

    UND: Wem es hier nicht passt, der darf gerne gehn!!! Nur soll er die Leute, die ehrlich studieren, weil es hier in Deutschland eigentlich gar nicht so übel ist, wie viel Pseudorevolutionäre beständig behaupten (welche sich wieso auch immer vermehrt in pädagogischen Studiengängen sammeln und somit indirekt für die Ausbildung der künftigen Generationen verantwortlich zeichnen sollen) gefälligst in Ruhe lassen.

  2. TS says:

    Ich neige dazu Deine Aussage als Satire einzuschätzen, das hatten wir die vergangenen Wochen mehrmals. Falls nicht möchte ich mich entschuldigen, dass ich Deine Aussagen, insbesondere die des zweiten Abschnitts gar lächerlich finde. Ich versuche mal eine ernsthafte Antwort auf Deine Aussagen:

    Subjektiv gefärbt und von Vorurteilen geprägt ist offensichtlich die Wiedergabe Deiner Beobachtungen. Man sollte im Studium lernen nicht alles zu verallgemeinern und in Schubladen zu packen. Ehrliches Studieren beinhaltet mehr, als nur pflichtbewusst das Sytematisierte zu reproduzieren!

  3. anke says:

    @Beobachter
    Ob TS mit der Satireeinschätzung richtig liegt?

    Dein Statement erinnert mich an den Standardspruch auf Kritik, der einem früher so an den Kopf geknallt wurde: Geh doch rüber in die DDR. Hey, wenn meine Wohnung eine Macke hat, dann renoviere ich, ziehe aber nicht gleich aus!

    Schlimm finde ich Dogmen aller Art. Egal, welchen Standpunkt sie vertreten, sie sind erstarrt und im Zweifelsfall plappern sie sturheil nach, was andere vorgeben. Das ist in meinen Augen weder reif noch frei. Ich weiß, selber denken (und fühlen) strengt an und erfordert Mut.

  4. Copper says:

    “Dein Statement erinnert mich an den Standardspruch auf Kritik, der einem früher so an den Kopf geknallt wurde: Geh doch rüber in die DDR. Hey, wenn meine Wohnung eine Macke hat, dann renoviere ich, ziehe aber nicht gleich aus! Schlimm finde ich Dogmen aller Art. Egal, welchen Standpunkt sie vertreten, sie sind erstarrt und im Zweifelsfall plappern sie sturheil nach, was andere vorgeben. Das ist in meinen Augen weder reif noch frei. Ich weiß, selber denken (und fühlen) strengt an und erfordert Mut.”

    “Dogmen aller Art, finde ich schlimm.” Dass du aber selbst eines vertritts ist dir nicht klar. Du bewegst dich auf bürgerlichen Boden, der genauso seine Dogmen in sich hat, wie die Einstellung des “Beobachter”. Es ist auch ein Dogma zu behaupten: “Wir renovieren hier, und bessern ein paar Sachen aus.” Das ist ein bürgerliches Dogma, welche nicht erkennt, dass die Ursachen der Misere, sei es Bildung oder Krise dem Kapitalimus inherent sind und ihr zudem den Staat als Instrument der Bürger betrachtet, statt ihn der “Erstarrung” der gesellschaftlichen Verhältnisse zu bezichtigen. Mit eurem Handeln “plappert” ihr genau dies nach. Eine absolute Dogmenkritik wäre wirklich angebracht und das Motto der Demo verwirklicht: radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche.
    Eure Angst oder auch Abneigung einer radikalen Kritik der Gesellschaft ist ein dogma absolutum, euer Bewusstsein ist dadurch geprägt. Und du hast recht, selber denken und (fühlen) strengt an und erfordert Mut. Aber du hast da was vergessen: es tut weh. Und würde es dir weh tun, würdest du die Sache auch anders Sehen und die durch Ausbeutung und Herrschaft erbauten Grundsäulen dieser Gesellschaft, welche der Aufklärung widersprechen, erkennen.

  5. TS says:

    Copper, ich kann es nicht mehr hören. Sei bitte flexibel und sieh Dir zunächst bitte die Diskussionen der letzten Blogeinträge an!

    Vielen Dank.

  6. Beobachter says:

    Mein Post war weder ironisch noch satirisch gemeint. Ein Großteil meines (naturwissenschaftlichen) Freundes- und Bekanntenkreises ist den Prostest leid und wir sind alle ziemlich froh, dass bis auf die Karnevalswoche das Hubland weitestgehend verschont geblieben ist.
    Auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt, sehr viele Studenten finden die Studienbedingungen gar nicht so schlimm, wie sie oft dargestellt werden. Und 500€ kann sich jeder leisten, das sind bei einem Stundenlohn von 7€ 3,5h Arbeit die Woche…
    Ich selbst bin inzwischen Doktorand und wenn ich mich an meine Zeit im Diplomstudiengang zurückerinnere, da war so viel ungenutzte Freizeit, die man mit sinnvollen Inhalten hätte füllen können wenn nicht müssen.
    Die Welt ist schneller, international synchronisiertes und (ihr werdet den Begriff nicht mögen, da ihr nur seine negativen Seiten seht) globalisierter geworden. Das ist ein factum, das man nicht wegdiskutieren kann. Und in diesem Unfeld gelten andere Masstäbe als noch z.B. in den 60er oder 70er Jahren. Heute werden an einen Hochschulabsolventen andere Ansprüche gestellt, insbesondere was eine solide fachliche Grundausbildung angeht.
    Im idealen Fall kümmert sich jeder Student selber darum, eine ausreichende Qualifikation zu erwerben. Leider trifft die nur auf einen geringen Prozentsatz zu. Deshalb ist ein positiver Ansatz des Bachelorsystems die Studenten dazu zu zwingen Leistung zu bringen.
    Wären die Studenten von sich aus bereit auch ohne äußere Represalien (Anwesenheitspflicht, Benotung aller Kurse) Leistung zu bringen und nicht immer nur 4 gewinnt zu spielen (wie es leider im Diplom mal abgesehen von der eigentlichen Diplomprüfung/Diplomarbeit) sehr oft der Fall gewesen ist, dann wäre auch keine stärkere Verschulung der Studiengänge bzw. ein höherer Leistungsdruck nötig.
    Ich sehe es immer wieder (z.B. bei Praktikanten in unserer Arbeitsgruppe), wie schwer sich manche Leute mit elementaren Grundlagen tun.

  7. Falk says:

    Genau,erstmal wild um sich schießen und alle bestehenden Verhältnisse (ob gut oder schlecht) verteufeln,dann das Ganze noch am besten ohne Alternativplan und fertig ist Neu-68.Hat ja schonmal wunderbar funktioniert..Na wunderbar,das kann doch keiner im Ernst von uns erwarten.Aber danke für den Tipp (LOL)

  8. @falk says:

    Da hast Du recht.
    Bemerkt es außer mir noch jemand, dass zu Blogs mit konstruktiven Vorschlägen nicht gepostet wird.Und das nicht erst seit heute.
    Übrigens:am Plenum ist Kritik gern gesehen.Also hin und dort diskutieren.
    :-)

  9. anke says:

    @Copper
    Weißt du, ich finde es nicht schlimm, wenn du mich bürgerlich nennst, nach der Französischen Revolution war “citoyen” eine Ehrenbezeichnung ;-)
    Ein Dogma geht davon aus, dass es nur diesen einen einzigen richtigen Weg gibt. Bestimmt gibt es in meinem Denken und Fühlen solche Stellen, ich bin ja nicht Jesus oder Mahatma Ghandi oder so. Aber immerhin bemühe ich mich, mein Hirn und meinen Bauch dazu zu nutzen, einen eigenen Standpunkt zu erlangen! Und kann mir durchaus vorstellen, dass es andere Möglichkeiten gibt, Dinge zu sehen!
    Wieso ist es ein Dogma, Reformen, Renovierungen etc. vorzuschlagen? Es ist mein Weg. Geh doch einfach einen anderen! Ich erwarte jedenfalls nicht, dass du mir hinterherrennst, aber du darfst dich an mir orientieren. Das ist ein qualitativer Unterschied.
    Ich habe nicht vergessen, dass selber denken und fühlen zu schmerzlichen Erkenntnissen führt, aber ich muss ja nicht immer alles hinschreiben ;-)
    “…Bildung und Krise dem Kapitalismus inhärent…” – klingt toll. Soll ich dir was sagen? Diese Sache mit dem Kapitalismus greift mir persönlich (!) nicht tief genug! Außerdem hab ich solche Sätze in meinem Leben schon verdasmmt oft gehört, da schleicht sich ein übler Verdacht ein. Der Verdacht (nicht: die Unterstellung) des Nachplapperns.