Offener Brief der Hochschulleitung als Antwort zum Ultimatums-Ablauf!

“Sehr geehrte Damen und Herren,

am 17. 12. 2009 stellte die Gruppe von Studierenden, die Ende vergangenen Jahres das Audimax besetzt hatte, der Universitätsleitung, den Fakultäten, den Instituten der Universität Würzburg sowie der Politik ein Ultimatum.

Bislang ist die Universitätsleitung weder von studentischer noch von anderer Seite mit Ultimaten konfrontiert worden. Die Universitätsleitung, die Fakultäten und Institute halten ein Ultimatum nicht für ein geeignetes Mittel zur Führung eines Diskussions- und Reformprozesses. Dies gilt auch für die Vorladung des Präsidenten im offenen Brief der Gruppe der protestierenden Studierenden vom 11.1. 2010: „Wir erwarten, dass Sie sich am Abend des 14.1. 2010 mit uns treffen und uns die Bemühungen, Schritte und Ergebnisse hinsichtlich unserer Forderungen darstellen.“

Universitätsleitung, Fakultäten und die betroffenen Abteilungen der Zentralverwaltung haben schon kurz nach der im Februar 2009 erfolgten Wahl des Präsidenten, also deutlich vor dem Amtsantritt der neuen Leitung im Oktober 2009, mit einer grundlegenden Reform der Bachelor- und Master-Studiengänge begonnen, lange bevor der praktisch an allen Hochschulen und in der Politik bestehende Nachbesserungsbedarf an anderen Universitäten thematisiert wurde.

Bereits im Juli 2009 wurden vom Senat der Universität neue Rahmenstudien- und Prüfungsordnungen verabschiedet, die erheblich größere Freiräume bei der Ausgestaltung des Studiums als bisher eröffneten. Im aktuellen Wintersemester arbeiten Vertreter verschiedener Fakultäten gemeinsam mit der Abteilung Studium und Lehre Muster für die Erstellung der fachspezifischen Bestimmungen aus, die die verschiedenen Studiengänge beschreiben.

Der Präsident der Universität hat bei seiner ersten Teilnahme an der Versammlung der protestierenden Studierenden spürbare Verbesserungen bis zum Beginn des Wintersemesters 2010/2011 angekündigt. Um diesen Zeitplan einhalten zu können, bedarf es erheblicher Anstrengungen aller Beteiligten. Wir würden uns freuen, wenn sich die Studierenden an diesem Prozess durch konkrete, realisierbare Vorschläge beteiligten.

Verschiedene Forderungen aus einem im November vorgelegten Katalog der protestierenden Studierenden wie auch aus dem Ultimatum setzen Änderungen des geltenden Rechts voraus. Dies betrifft beispielsweise einen Großteil der Forderungen im Bereich Mitbestimmung. Die Hochschulleitung sieht sich in ihrem Handeln und im Aufbau ihrer Gremien an geltendes Recht gebunden. Wie sich am Beispiel der Reform des Bachelor-Master-Studiengangs gezeigt hat, arbeiten die zuständigen Gremien der Universität, namentlich der Senat und der Hochschulrat, die Dekane und die Universitätsleitung in ihrer bestehenden Zusammensetzung und Form gezielt im Interesse der Studierenden.

Zu den Studienbeiträgen hat die Universitätsleitung eine Überprüfung möglicher Senkungen in diesem Wintersemester zugesagt. Diese Überprüfung wird selbstverständlich durchgeführt. Die Einnahmen aus Studienbeiträgen sind durch neue Befreiungsgründe im Wintersemester um mehr als acht Prozent gesunken, obwohl sich die Zahl der Studierenden deutlich erhöht hat. Wir werden auch unter dieser erschwerenden Rahmenbedingung die Möglichkeit einer Reduzierung sorgfältig prüfen. Die Universitätsleitung sieht aber auch die Tatsache, dass die Studienbeiträge in allen Fakultäten beträchtliche Verbesserungen der Studienbedingungen ermöglicht haben.

In den kommenden Wochen und Monaten wird die Ausarbeitung flexibilisierter Bachelor-und Masterstudiengänge im Zentrum unserer Anstrengungen stehen. Der Arbeitsaufwand, der mit einer solchen Umstrukturierung für die Institute, Fakultäten und die Zentralverwaltung verbunden ist, ist enorm. Jedoch bietet sich hier die Chance, an der Universität Würzburg neue Studiengangstrukturen mit bundesweitem Modellcharakter und entsprechender Attraktivität zu etablieren. Diese erfordern den konzentrierten und langfristigen Einsatz aller Beteiligten. Wir würden uns über eine konstruktive Mitwirkung möglichst vieler Studierender freuen und stehen in den Fakultäten und Instituten sowie in Zentralverwaltung und Universitätsleitung gerne für entsprechende Gespräche zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

für die Universitätsleitung, die Fakultäten und die Institute

Prof. Dr. A. Forchel
Präsident

Weitere Unterzeichner sind:

Enno Kruse (Kanzler), Prof. Dr. W. Riedel (Vizepräsident), Prof. Dr. M. Götz (Vizepräsidentin), Prof. Dr. E. Pache (Vizepräsident), Prof. Dr. M. Lohse (Vizepräsident), Prof. Dr. E. Garhammer (Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät), Prof. Dr. Chr. Weber (Dekan der Juristischen Fakultät), Prof. Dr. M. Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät), Prof. Dr. U. Konrad (Dekan der Philosophischen Fakultät I), Prof. Dr. W. Schneider (Dekan der Philosophischen Fakultät II), Prof. Dr. Th. Dandekar (Dekan der Fakultät für Biologie), Prof.in Dr. U. Holzgrabe (Dekanin der Fakultät für Chemie und Pharmazie), Prof. Dr. U. Helmke (Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik), Prof. Dr. Th. Trefzger (Dekan der Fakultät für Physik und Astronomie), Prof. Dr. M. Kukuk (Prodekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät), Prof.in Dr. M.-Chr. Dabauvalle (Frauenbeauftragte)”

Damit hat die Hochschulleitung Stellung bezogen. Wir sind enttäuscht, dass der Präsident heute Abend nicht zum Plenum erscheint und uns die Stellungnahme nicht persönlich (z.B. über email) zukommen ließ. Die Hochschulleitung kann trotz unseres Erachtens ausreichender Vorlaufzeit keine neuen Ergebnisse vorweisen. Andererseits begrüßen wir, dass die Unileitung die Forderungen zur Kenntnis genommen hat und inhaltliche Arbeit auch weiterhin möglich ist.

Die Antwort der Hochschulleitung wird heute Abend großes Thema im Plenum sein. 18:00 Uhr im Festsaal über der Burse!

Eine ausführliche Stellungnahme des Plenums der Uni Würzburg wird folgen.

23 Responses to “Offener Brief der Hochschulleitung als Antwort zum Ultimatums-Ablauf!”

  1. Alex says:

    Ein bisschen sehr vermessen ist das schon, immer nur Forderungen stellen zu wollen und der Unileitung mit Ultimaten zu drohen, das habe ich mir schon im Dezember geacht. Für wen haltet ihr euch? Wollt ihr etwas vom Präsidenten oder der Präsident von euch? Nehmt euch mal nicht so wichtig, euer Einsatz in allen Ehren, aber euer Verhalten ist mehr und mehr wichtigtuerisch oder sollen Forchel und Kruse auf Knien zu euch gekrochen kommen.

  2. anke says:

    Ich hab in der Schule gelernt, dass es vermessen von den Bauern war, im 15. Jahrhundert gegen Adel und Klerus zu Felde zu ziehen. In den letzten Jahrhunderten hat sich viel verbessert, nicht aber die Vermessenheit, will mir scheinen.

  3. Franz says:

    Ich war von Anfang an für euren Protest, aber das was euch am Anfang ausgezeichnet hat, nämlich der respektvolle Umgang (sei es mit der Unileitung, dem Mobiliar im Audimax etc.) scheint euch allmählich abhanden zu gehen. Vielleicht wäre etwas mehr Höflichkeit, zB indem man um Erscheinen bittet statt zu diktieren, eurer Sache dienlicher.

  4. Chorizo3xgeräuchert says:

    Da fällt mir ein:

    “Der Ton macht die Musik” & “Wie’s in den Wald hineinschallt, so schallt es auch hinaus”

    Hm. Sicherlich wollt ihr soviel wie möglich raushauen und euch nicht vom aministrativen Apparat + Hochschulleitung mit inhaltslosen Phrasen & Blabla abspeisen lassen. Aber soweit ich das überblicke, hat es sich bisher (langfristig) beim Bildungsstreik echt gelohnt einen gewissen Respekt, Sachlichkeit, Kulanz und Verständnis für die Hintergründe der anderen Seite an den Tag zu legen.
    Die Damen und Herren sitzen nun mal in ihren Abläufen + Strukturen fest, die sie nur begrenzt persönlich beeinflussen können (Richtlinien, Gesetzte, finanzielle Ressourcen, etc.). Auch darüber hinausDENKEN ist mitunter schon eine Überwindung oder fällt zumindest schwer.
    Also nur Bedacht und Obacht! Beiderseits. ;o)

    Man kann mit der Zeit sogar Synergieeffekte mit ihnen aufbauen und zum Beispiel sich gemeinsam (oder zumindest aufeinander abgestimmt) für eine bessere finanzielle Ausgestaltung der Uni einsetzten. Was auch so ziemlich der Kern der Sache ist, wenn ich mich nicht irre…

    Zuviel Freund-Feind-Schema schadet jedenfalls und wird auch oftmals der Sache nicht gerecht, ist mein persönlicher Eindruck!

    Soviel aus Freiburg mit solidarischen Grüßen! ;o)

    (Hoffe, das wirkt jetzt nicht zu besserwisserisch. Nur als Tip und im Sinne der gemeinsamen Sache! ) ;o)

  5. Buerger says:

    Stupid walked

    könnte man sagen – schuld ist eure überheblichkeit – “…wir erwarten…. wir fordern…..unser ultimatum….” !! wer seid ihr denn !!

    also kurve kriegen – vielleicht mal entschuldigen – und auf dialog setzen – das anliegen ist ok – aber der weg ist hier nicht das ziel….

  6. [...] mit neunmalklugen offenen Briefen bombaridert, ist die Reaktion nicht gerade eine Überraschung. Dass man sich dann enttäuscht zeigt, dass die Uni-Leitung mit einem offenen Brief antwortet und die…. Da verlangen ein paar Studenten, die sich selbst viel zu wichtig nehmen, eine Art von Respekt, den [...]

  7. anke says:

    Ich bin fasziniert! Der Skandal ist nicht, dass Betroffene so gut wie nicht mitbestimmen, dass statt selbst gestalteter, persönlich angepasster Bildung Ein-Euro-Shop- Billigware angeboten wird, dass bestimmten sozialen Kreisen der Zugang zur Hochschule brutal erschwert wird! Nein, das ist offenbar okay!
    Es ist offenbar auch nicht schlimm, wenn Verantwortliche sich ihrer Verantwortung entziehen, indem sie sich hinter bestehenden Gesetzen verschanzen. Gesetze lassen sich ändern! Wenn ich daran erinnern darf: Wir leben in einer Demokratie!
    Wenn ich die Statements hier so lese, dann weiß ich, der eigentliche Skandal besteht darin, dass die protestierenden Studenten keinen Knicks und keinen Bückling vollführen. Ja, pfui aber auch!

  8. Ticker? says:

    Der Countdown der beiden Ticker scheint nicht mehr zu stimmen, kann das mal jemand ändern?

  9. Stephan says:

    Wenn die Protestierenden ja wneigstens Ansatzweise eine Mehrheit der Studenten darstellen würden, würde ich das Theater ja verstehen, ich bin mir allerdings sicher, dass momentan(am Anfang gab es wohl noch mehr Sympathisanten der Protestierendenseite als jetzt) nicht einmal 30% auf der Seite des pseudorevolutionären “Plenums” stehen. Also wenn gewisse Personen hier meinen von einer Demokratie reden zu müssen, sollten sie mal eine fakultätsübergreifende Umfrage durchführen und schon würden sie erkennen, dass sie selbst die Minderheit sind.

    An die Unileitungen Ultimaten zu stellen ist in dieser Situation ja wohl nicht an Lächerlichkeit zu überbieten. Die Geduld von der Unileitung ist in meinen Augen mehr als beachtlich. Solche Kooperativität trotz der geringen Konstruktivität seitens der Studierenden (viele Forderungen aber wneige konkrete Änderungspläne – Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag? Ab und zu studieren, dann klappt des auch mit den Prüfungen!) würde meine Grenzen weit übersteigen.
    Ich denke die Unileitung ist euch mittlerweile echt genug entgegengekommen. Also bevor ihr euch und eure (im Grundgendanken guten Ansätze) noch wieter ins lächerliche zieht: einfach mal kürzer treten und die Umsetzung seitens der Uni abwarten!

  10. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von kimi und Würzburg brennt, Patrick Wötzel erwähnt. Patrick Wötzel sagte: RT WUEbrennt Offener Brief der Hochschulleitung als Antwort zum Ultimatums-Ablauf! http://bit.ly/5rhwWL #wuebrennt [...]

  11. muh says:

    Es ist schon verständlich, dass die Studenten über die – in meinen Augen weiterhin sehr suspekte – Räumung verärgert sind und sich der Bedarf am Verteilen von Nettigkeiten in Grenzen hält.
    Aber wie sagt schon Anke:” Es schreibt sich besser, wenn man nicht aufgeregt ist. “Kommunikation hat mit gegenseitiger Wertschätzung zu tun, im Verhalten von beiden Seiten.
    Die Kommunikation mit Hern Prf. Forchel lief doch immer sehr gut. Es ist an der Zeit, darauf wieder aufzubauen und gemeinsam an den Zielen zu arbeiten.
    Die Erfolge werden kommen, teilweise sind sie schon in greifbarer Nähe.
    Das Bundeskabinett hat die Bafög- Erhöhung verabschiedet.
    Herr Minister Dr.med.dent. Heubisch hat den AK gebildet und ich denke, dass sich da noch einiges bewegt.(Auch hier gab es eine hervorragende Kommunikation.Er betonte ausdrücklich die sehr gute Gesprächskultur während der Besetzungen.)
    Die gleiche Hoffnung habe ich für die Universität Würzburg.
    Liebe Grüße an alle.Bis bald

  12. anke says:

    @Stephan
    Abwarten ist echt ein guter Ansatz. Die Forderung nach mehr Mitbestimmung wartet erst gut 40 Jahre darauf, dass sie Praxis wird, da kann schlicht nichts ausgereift sein.
    Wenn die von dir angenommenen 60%, die du nicht mit Fakten belegst, sich nicht vertreten fühlen, dann ist das doch ihr Problem, weil sie sich nicht im Plenum einbringen! Wenn ich die Demokratie nicht benutze, muss ich mich doch nicht wundern, wenn sie nicht in meinem Sinne funktioniert!
    Übrigens finde ich persönlich es nicht peinlich, eine Minderheit zu sein. Wenn ich so sehe, wohin die Herde als rennt, schon gleich dreimal nicht! Ich lehne nicht nur das totale Schnäppchen (BA im Sonderangebot?) ab, sondern sehe es auch so, dass man sich nicht hinter Masse verbergen soll. Muss schon jeder für sich selbst einstehen!

    Als Nachtrag zu Höflichkeit und Ordnung:
    Wenn wir mit dem Rammbock die Festung stürmen, halten wir am Tor kurz inne und reinigen die Schuhe am Fußabstreifer…

  13. olli says:

    @anke
    hast du mal geguckt, wieviele bauern die festung umrennen
    wollten und es nicht schafften?
    in dem fall hat eine minderheit noch weniger zu sagen. die
    unentschiedenen duckmäuser durch provokante wortwahl
    (man hat ja eh nichts mehr zu verlieren) abzuschrecken bringt
    nichts. was benötigt wird ist rückhalt eines großteils der studentenschaft.
    durch die räumung ist der ganze protest doch zu einer lachnummer
    geworden, jeder ist mit seinen prüfungen beschäftigt, sogar der
    präsident moniert auf der hauptseite der uni das die wortwahl
    nicht passe. dieses rumerpresse führt zu nichts, durch den
    extremismus (ich nenns mal so) wurden dringend benötigte
    sympathien verschenkt und nichts erreicht.
    wieviele leute haben denn überhaupt an dem brief an forchel
    geschrieben? ohne den nötigen respekt geschieht gar nichts!
    forchel ist ja nun wirklich kein hardliner wie es der fdp’ler ist,
    ergo man sollte gemeinsamkeiten finden und ausbauen.

  14. Alex says:

    @anke: Bleib bei deiner Holzhammermethode, du wirst damit nicht mehr viel erreichen. Und wenn du weiterhin die Bauern an der Festung zum Vergleich heranziehst, wirst du wahrscheinlich auch irgendwann eine Ladung heißes Pech über die Rübe gekippt bekommen. Wie das dann 2010 aussieht, kannst du dir ja überlegen.
    Vielleicht klappt es im Sommer ja mit einer Rolle als Laiendarstellerin bei den Florian-Geyer-Festspielen.
    Genug Polemik: Merkst du nicht, dass ihr mit eurem Verhalten aneckt, Sympathien verspielt oder längst verspielt habt und ganz bestimmt auch nicht mehr Studenten erreicht, wenn ihr auf den Putz haut, als hinge von euch die Zukunft des Landes ab?

  15. @olli und alex says:

    Euch ist aber schon klar, dass Anke keine Studentin und Besetzerin ist,oder?

  16. Alex says:

    Ich bin fast davon ausgegangen, allerdings schreibt sie, als wäre sie an vorderster Front dabei.

  17. Dodo says:

    Historische Pseudo-Vergleiche helfen hier wohl nicht weiter, nicht mal einer mit der 68er- Bewegung. Allein schon, weil die in der Erinnerung sich doch um einiges anders präsentiert, als sie war.

    Interessanter scheint mir ein Blick auf die Forderungen des “Ultimatums” (die Wortwahl halte ich mittlerweile auch für schwierig):

    MITBESTIMMUNG:
    Eine Herstellung der Öffentlichkeit hat einige Nachteile. Es ist nämlich nicht so, dass man diese so einfach bei Personalfragen per Abstimmung temporär ausschließen könnte. Das würde die ohnehin teilweise langen Sitzungen weiter verzögern. Denn schließlich sind alle Abstimmungen (in einer Demokratie auch sinnvollerweise) geheim und Personaldiskussionen per Gesetz (z.B. BayHG Art. 41) ebenfalls meist sinnvollerweise geheim. Dies wird in fast allen Satzungen und Gesetzen so berücksichtigt, weil dies zum Schutz der Personen dient, über die diskutiert werden muss und weil selbstverständlich Wahlen in einer Demokratie geheim bleiben müssen, um nicht mit Repressalien auf Grund einer Gewissensentscheidung rechnen zu müssen.
    Man sollte also evtl. unterschiedliche Regelungen finden für verschiedene Gremien.
    Die Veröffentlichung von Protokollen scheint mir der sinnvollere Weg. So können die Ergebnisse einer Kontrolle unterzogen werden und bei widerholtem Nichgefallen das Gremium bei der Nächsten Wahl anders zusammengestellt werden. Dies ist das Prinzip der repräsentativen Demokratie… mit allen Macken aber nun mal eines der besseren Systeme.
    Dabei spielt natürlich eine wichtige Rolle, dass Studierende bei der Zusammensetzung wichtiger Gremien bisher wenig Mitspracherechte haben. Im Falle der Kommissionen zur Verteilung der Studienbeiträge gab es da bereits erfreuliche Schritte in die richtige Richtung (vgl. Änderung d. Studienbeitragssatzung im September 2009).

    Die Beteiligung der Studierenden in allen Angelegenheiten im erweiterten Hochschulrat halte ich zwar für Interessant, ist im Endeffekt aber wieder einer dieser Posten, für die auch erst mal ein Student gefunden werden muss. Da bin ich skeptisch mit Blick auf die Probleme, die oftmals bisher auftraten, wenn man freiwillige Kommissionsmitglieder gesucht hat. Ähnliche Probleme sehe ich in Bezug auf die zweimal im Semester stattfindende Vollversammlung. Selbst bei studentischen Vollversammlungen waren in den letzten Jahren vielleicht jeweils 20- 40 Personen anwesend… (wie das dieses Jahr war, weiß ich leider nicht).

    Änderungen in Bezug auf Gremienarbeit und -zusammensetzung müssen allerdings mit so vielen Stellen abgesprochen werden, dass die gesetze Frist hierfür in meinen Augen nicht einhaltbar war.

    STUDIENGEBÜHREN
    Auch hier halte ich die Frist für zu kurz, wenn gleich Eile geboten ist. Die Einschreibungen für das nächste Semester laufen schließlich bereits. Die Zusage dies für das kommende Wintersemester zu prüfen ist wohl realistischer.

    BOLOGNAREFORM – an Fakultäten und Institute
    Die Abschaffung der prinzipiellen Anwesenheitspflicht verstehe ich nicht. Mir sind diese Anwesenheitspflichten aus meinem Fachbereich nicht bekannt. Sie werden also offensichtlich nicht überall umgesetzt oder sind gar nicht zwingend erforderlich. Sollten sie vorgeschrieben sein, so muss abgewogen werden, in welchen Fällen sie doch notwendig sind. Ich möchte ungern von einem Mediziner behandelt werden, der die Grundlagen seines Studiums versäumt hat.
    Da hängt also eine Menge dran. Ich glaube, es gibt durchaus sinnvolle Anwesenheitspflichten in einzelnen Bereichen einzelner Studiengänge (so wie in den alten Studiengängen auch bereits). Das Wörtchen sinnvoll kann dabei jedoch nur von den einzelnen Fachbereichen selbst mit Leben gefüllt werden.
    Beim Leistungsdruck sollten wir uns klar sein, dass Studium eben doch etwas mit Leistung zu tun hat. Sollte jeder, der will, studieren dürfen, hätte das Konsequenzen auf die Anerkennung des Studiums. Sicherlich gäbe es die Möglichkeit bereits vor Beginn des Studiums auszusortieren und entsprechend eben weniger Studenten zuzulassen. Jedoch ignoriert dieser Weg die Tatsache, dass zwischen Schulabschluss und Studium viele Menschen einen gewaltigen Entwicklungssprung vollziehen. Abgesehen davon, dass der Notendurchschnitt eines Schulabschlusses wenig Rückschlüsse zulässt auf die jeweiligen Kompetenzen im speziellen Studienfach. Es scheint also durchaus sinnvoll zunächst den Studienbewerbern eine Chance zu geben und im Studium herauszufinden, ob sie jeweils geeignet scheinen.
    Im übrigen war gerade die Einführung des Bachelor ja auch teilweise der Versuch, eben jenen Studenten einen Abschluss zu ermöglichen, die zuvor ohne Abschluss die Uni verliesen…
    Maß ist also gefragt bei der Frage des Leistungsdrucks!

    BOLOGNAREFORM – Unileitung
    Ein Doppelstudium in BA/MA- Studiengängen dürfte an organisatorischen Problemem scheitern. Dennoch wünschenswert und trifft auch einen Kern der Probleme des BA/MA- Studienganges: seine Unflexibilität. Umsetzbar ist dies zunächst kaum, daher ist die Frist unsinnig. Das Problem hängt mit der Grundstruktur des Bachelor zusammen. Und dabei ist eben auch wieder die EU-Ebene gefragt. Die Uni wird hier wenige Möglichkeiten haben. Diskutieren sollte man dieses Problem jedoch.

    Flexibilität und Mobilität sind wünschenswert und bedeuten entweder die Einführung eines Kerncurriculums für alle Fächer und damit eine Gleichschaltung aller Hochschulen oder aber eine legere Anerkennungspraxis. Zweiteres scheint eher der Weg der Wahl zu sein. Und mir scheint dies auch schnell umsetzbar. Letztendlich lief dies in Diplom- und Magisterstudiengängen auch so, zumindest da, wo man wechseln konnte. War ein Wechsel nicht oder nur schwer möglich, war das auch ein Hinweis auf evtl. Unkompatibilität der Ausrichtung der Fachbereiche der jeweiligen Universität. Die Kompetenz sollte also in den jeweiligen Fachbereichen einer Universität untergebracht sein und wohlwollend umgesetzt werden.

    Das Zentrum zur Optimierung der Hochschullehre muss schnell eingesetzt werden, aber bitte auch vernünftig geplant sein. Schnellschüsse hatten wir im Bildungsbereich genügend und die angegebene Frist für eine Erstellung eines Konzepts erscheint mir schon sehr optimistisch. Lieber gut geplant und dafür zwei Monate später…

    UNTERSTÜTZUNG
    Die Abschaffung des Hochschulrates in seiner jetzigen Form unterstütze ich voll. Die Schaffung eines Hochschulparlamentes halte ich für schwieriger. Ein Parlament besteht aus vielen Personen und wird dann wohl auch politisch instrumentalisiert werden. Ich möchte kein Labergremium, sondern ein sinnvolles, arbeitsfähiges Gremium, dass offen und transparent unter tatsächlicher Einbeziehung aller Interessen der vier universitären Gruppen die grundsätzlichen Richtungsentscheidungen für die Universität fällt. Ein Parlament wäre mir zu aufgebläht.

    Eine gesetzlich verankerte Studierendenschaft halte ich für längst überfällig und im Sinne der Hochschulleitung. Mündige Studenten sollten ein Ziel einer jeden Hochschullehre sein und dies kann mit der Übertragung von Verantwortung und Mitbestimmungsrechten erreicht werden.

    Der Master als Regelabschluss wirft eine Menge Fragen aus: Was ist der BAchelor dann noch wert, bzw. brauche wir den dann noch? Welchen Wert hat der Doktortitel? Bisher war das System aus akademischen Titeln ein in jedem Fachbereich gewachsenes Konstrukt. Ein Chemiker braucht nun mal einen Doktortitel, wenn er arbeit anerkannt sein will. Also machen viele Chemiestudenten eben ein Doktorstudium (ähnlich Medizin). Ein Pädagoge ist evtl. zufrieden mit einer praktischen Bachelorausbildung (auch wenn sich dabei die Frage stellt, was dann mit dem Studium der Sozialpädagogik an der FH passieren soll). Ich glaube, diese Fragen müssen fachspezifisch geklärt werden. Master als Regelabschluss ist mir zu pauschal und zielt an den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Fächer vorbei.

    Der Kernpunkt bleibt: Die Hochschulen sind unterfinanziert, was vor allem diejenigen Fachbereiche trifft, die geringe Chancen auf Drittmittel haben (z. B. die philosophischen Fakultäten, fachspezifisch jedoch unterschiedlich).

    Sorry, das ist ein sehr ausführlicher Kommentar, erschien mir jedoch mal notwendig.

  18. @anke says:

    “Ich lehne nicht nur das totale Schnäppchen (BA im Sonderangebot?) ab”…Wollt ihr das Totale Schnäppchen? Ist nicht eine eurer Hauptforderungen die Abschaffung der Studiengebühren?! Studieren für lau wär doch “das totale Schnäppchen”, oder nicht?

    “Wenn die von dir angenommenen 60%, die du nicht mit Fakten belegst, sich nicht vertreten fühlen, dann ist das doch ihr Problem, weil sie sich nicht im Plenum einbringen!”…Was passiert wenn Leute versuchen sich einzubringen sieht man doch sehr schön an deinen Kommentaren. Da wird (zum Teil) sehr konstruktiv darauf hingewiesen (von Leuten die euren Protest unterstützen) dass sie mit einigen Aussagen eurerseits nicht zufrieden sind und dann kommen von dir Sätze wie: “Wenn wir mit dem Rammbock die Festung stürmen, halten wir am Tor kurz inne und reinigen die Schuhe am Fußabstreifer…”. Das macht dann richtig Lust sich aktiv im Plenum zu beteiligen.
    Achja kleiner Tipp am Rande: 100% – 30% = 70% (nicht 60, liebe Anke). Aber macht ja nichts, der Zahlenraum bis 100 hat schon seine Tücken…

    Sollte Anke keine Studentin/Besetzerin sein, möchte ich mich ausdrücklich bei allen “echten” Besetzern/innen entschuldigen.

  19. @dodo says:

    Super.Ein sehr interessanter und konstruktiver Beitrag.
    Gibt Hoffnung, dass die Sachlichkeit ihren Weg zurück in den Blog findet.

  20. anke says:

    Um es ganz klar zu machen: Ich bin nur aktive Sympathisantin! Ich habe nicht selbst besetzt und meine Studien abgeschlossen.

    Zu meinem Vergleich mit dem Bauernkrieg möchte ich anmerken, dass der mir eben genau deshalb einfiel, weil die Bauern sinn- und erfolglos gegen Mauern angerannt sind! Ich sehe keine Lösung in einem ungleichen Kampf. In gar keinem Krieg!
    Was mich echt geärgert hat, war die Schelte für Randschauplätze! Klar hätte man eine glücklichere Vokabel als “erwarten” finden können, aber manchmal ist man in Kleinigkeiten eben achtlos (rechnet 60% aus ;-) ), weil sich der Blick aufs Wesentliche richtet.
    Im übrigen werden auch Kinder erwartet. Die bleiben ja nicht aus, weil sie sich nicht vorladen lassen. Das kann man also so und anders sehen. Die Frage lautet wohl, was man WILL.
    Zurück zu den Gemetzeln an Nebenschauplätzen. Ich finde nicht, dass man irgendwen schelten sollte, weil er laut und deutlich – und damit irgendwie eben auch hässlich – sagt, dass er bestimmte Zustände skandalös findet. Um es deutlich zu sagen, es macht mich wütend, wenn eine ehrlich gemeinte Sorge um die Bildung keine Rolle spielt, dafür aber hohle Höflichkeit. Das überzeichne ich bewusst.

    Das totale Schnäppchen habe ich anders gemeint, als das jetzt verstanden wurde. Ich weiß aus G8 (da treiben sich meine Kinder rum), dass an den Gymnasien zwar der Stunden- und Fächerumfang raufgegangen sind, jedoch gleichzeitig die Inhalte schwer gelitten haben. Was mir BA-Studenten erzählt haben, setzt sich dieser Vorgang an der Uni fort.
    Für schlappe 500 Euro im Monat (plus…), viel weniger als z.B. in den USA, kann man also ein Wissen einkaufen, von dem ich persönlich fürchte, dass es sich um solchen Billigschrott handelt, wie man das vom Wühltisch kennt. Das finde ich entsetzlich!
    Ich bin ein Verfechter von Qualität. Es ist unterm Strich teurer, die Billigdösli alle paar Monate zu ersetzen, als einmal gescheite zu erwerben, die dann ewig und drei Tage halten. Und es ist gesellschaftlich billiger, die Leute gründlich auszubilden, als dann ganze Jahrgänge in die Tonne zu treten (was ja eh unmöglich ist, zum Glück).
    Ich denke, kein Student sollte sich mit Mist abspeisen lassen!

    Und wie man damit jetzt umgeht? Nicht mit einem Frontalangriff und nicht mit Schicksalsergebenheit. Ans Ziel führt der berühmte, mühevolle “dritte Weg”. Schade, dass dort immer wieder Baumstämme querliegen, die aus den eigenen Reihen stammen…

  21. Jan (Student) says:

    @@anke:
    Studiengebühren führen zum totalen Schnäppchen. Teilweise (vor allem FDP aber auch die Parteien mit dem C wie Konservativ im Namen) werden schon jetzt die Hochschulen als Dienstleister gesehen, der die Kunden auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Es geht nur noch um Verwertbarkeit, aber wo sollen dann ein demokratisches Bewusstsein gebildet werden? An Schulen kommt es zu kurz, an den Universitäten gibt es sowas noch, gerade auch durch die Hörsaalbesetzung – Weimar wurde als “Demokratie ohne Demokraten” bezeichnet, wollen wir da wieder hin?
    Im Übrigen kann selbst mit Studiengebühren der reguläre Lehrbetrieb teilweise nicht aufrecht erhalten werden. Überfüllte Seminare und Vorlesung stellen nach wie vor den Alltag viele Studenten dar. Und falls es regnet, muss unser lieber Manni mit Eimern durch die Mensa rennen und auch anderswo tropft es.
    Die Mittel für Studentenwerke wurden für 2010 um 25% gekürzt, an manchen Hochschulstandorten muss man schon jetzt 2 Jahre auf Schuldnerberatung warten, die Welle der Privatinsolvenzen bei Studenten wird aber erst noch erwartet – sie hat bereits begonnen.

    Vor diesem Hintergrund sollte es eine lässliche Sünde sein, das manchmal eine unpassende Formulierung gewählt wurde.

  22. Christian says:

    “Vor diesem Hintergrund sollte es eine lässliche Sünde sein, das manchmal eine unpassende Formulierung gewählt wurde.”

    Danke Jan!

    Wobei ich nach wie vor finde, dass man ruhig ein Erscheinen des Uni-Präsidenten “erwarten” kann!
    Es geht hier schließlich um die Bildung…und warum von Seiten meiner MitstudentInnen da so oft Gegenfeuer kommt, kann ich nicht verstehen.
    Demokratie ohne Demokraten und Uni ohne Bildung!

  23. [...] Die Aussage des Präsidenten, gerne für entsprechende Gespräche zur Verfügung zu stehen, (siehe Offenen Brief vom 14.01.2010) steht leer im Raum. Versuche von studentischer Seite an der Umsetzung von Verbesserungen [...]